Aus der Werkstatt für die Werkstatt
«Soeben gelesen. Bravo, Bravissimo» – in diesen Ruf dürfte der Leser ausbrechen, der Fabian Kerns Dissertation über die Beziehungen der Coburger Theatermalerfamilie Brückner zu den Bayreuther Festspielen von 1876 bis 1914 gelesen hat. Das mit vielen Erstveröffentlichungen reich bebilderte Buch zeigt, dass geduldiges Quellenstudium noch viele unbekannte wie wichtige Dokumente zutage fördern kann und die bekannten Quellen, im Hinblick auf die nun entdeckten, neu interpretiert werden können.
Dabei handelt es sich zunächst «nur» um eine Arbeit, die das denkbar «unpolitische» Bühnenbild in den Blick nimmt. Wie vermint gerade dieses Gelände in der Rezeptions- und der (von Lügen und Fälschungen durchzogenen) Selbstdeutungsgeschichte der Bayreuther Festspiele unter Cosima und Siegfried Wagner ist, zeigt Kern in frappierender Weise. Man gewinnt mit der Lektüre ein gewandeltes Bild der Bayreuther Festspiele zwischen der Gründung und dem Ersten Weltkrieg.
Die Hauptthese lautet: Die Brückners waren keine routinierten Theaterfabrikarbeiter, sondern autonome Künstler. Sie klebten nicht am Historismus, sondern entwickelten ihre ästhetischen Ausdrucksmittel kontinuierlich weiter. Sie arbeiteten ...
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Opernwelt April 2011
Rubrik: Medien/Buch, Seite 30
von Frank Piontek
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