«Aus der guten Stube in die Vorwelt»
200 Jahre Einsamkeit? Weit gefehlt. Carl Maria von Webers «Freischütz», 1821 im Berliner Schauspielhaus am Gendarmenmarkt (unter der musikalischen Leitung seines Schöpfers) in die Welt gekommen, ist der Deutschen liebstes romantisches Opernkind. Was wiederum auch nicht stimmt, denn die imaginäre Sprache des Waldes, die in diesem Bühnenwerk hörbar wird, fand insbesondere auch jenseits des Rheins große Bewunderer, ja sogar Nachahmer.
Und auch der Komponist selbst wies mit Recht darauf hin, dass die Kunst kein Vaterland habe und alles Schöne wertvoll sei, «welcher Himmelsstrich es auch erzeugt haben mag». Was unter dem Strich bleibt, ist die Erkenntnis, dass der «Freischütz» bis heute ein faszinierend enigmatisches, mithin vielfältig deutbares Musiktheater geblieben ist, das seine zeitlose Faszination aus dem Kampf des Frommen mit dem Dämonischen sowie aus dem dialektisch geformten Gegensatz zwischen Häuslichem und Heiligem, Erhabenem und Trivialem, Behaglichem und Unheimlichem generiert – und das allein aufgrund seiner «vollkommenen Partitur» (Hector Berlioz) auch weitere 200 Jahre auf die Opernbühnen in aller Welt gehört
«Victoria können wir schießen. Der Freischütz hat in’s ...
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Opernwelt Jahrbuch 2021
Rubrik: Der Freischütz, Mythos und Moderne, Seite 10
von Uwe Schweikert
Wer an die vergangene Saison denkt, muss von Leid sprechen. Am 1. März 2020 hatte eine «Winterreise» an Stuttgarts Staatsoper Premiere. Wie immer dabei der hochgewachsene Unternehmer und Mäzen Helmut Nanz, Vorsitzender der Bachakademie, Förderer des Stuttgarter Kammerorchesters, Sammler von Mozart-Autografen. Gut gelaunt tauschte der 76-Jährige mit vielen ein paar...
Sie konnten nur selten miteinander, vor allem aber nicht ohne einander. Seitdem es die Gattung Oper gibt, suchten Komponisten (gerne auch mal verzweifelt) nach Librettisten, die geeignet waren, ihre (also: der Komponisten) Visionen mit Text gleichsam zu «unterfüttern», zu beleben, zu erleuchten. So manches Genie war darunter, man denke nur an den großen Metastasio...
Laut Michael Spitzer, Autor des vielbeachteten Buches «The Musical Human», das im vergangenen April erschienen ist, geht die Geburt des Rhythmus 165 Millionen Jahre zurück; vor 66 Millionen Jahren erschien die erste Melodie, und 40.000 Jahre sind vergangen, seit der Homo sapiens das erste Musikinstrument gebaut hat. Es ist also nicht verwunderlich, wenn uns ein...
