«Aus der guten Stube in die Vorwelt»
200 Jahre Einsamkeit? Weit gefehlt. Carl Maria von Webers «Freischütz», 1821 im Berliner Schauspielhaus am Gendarmenmarkt (unter der musikalischen Leitung seines Schöpfers) in die Welt gekommen, ist der Deutschen liebstes romantisches Opernkind. Was wiederum auch nicht stimmt, denn die imaginäre Sprache des Waldes, die in diesem Bühnenwerk hörbar wird, fand insbesondere auch jenseits des Rheins große Bewunderer, ja sogar Nachahmer.
Und auch der Komponist selbst wies mit Recht darauf hin, dass die Kunst kein Vaterland habe und alles Schöne wertvoll sei, «welcher Himmelsstrich es auch erzeugt haben mag». Was unter dem Strich bleibt, ist die Erkenntnis, dass der «Freischütz» bis heute ein faszinierend enigmatisches, mithin vielfältig deutbares Musiktheater geblieben ist, das seine zeitlose Faszination aus dem Kampf des Frommen mit dem Dämonischen sowie aus dem dialektisch geformten Gegensatz zwischen Häuslichem und Heiligem, Erhabenem und Trivialem, Behaglichem und Unheimlichem generiert – und das allein aufgrund seiner «vollkommenen Partitur» (Hector Berlioz) auch weitere 200 Jahre auf die Opernbühnen in aller Welt gehört
«Victoria können wir schießen. Der Freischütz hat in’s ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Jahrbuch 2021
Rubrik: Der Freischütz, Mythos und Moderne, Seite 10
von Uwe Schweikert
Sein Ruhm wird nur durch ein Stück begründet: «Samson et Dalila». Doch das 100. Todesjahr von Camille Saint-Saëns, der als Sechsundachtzigjähriger am 16. Dezember 1921 in Algier starb, hätte auch in deutschen Landen ein Jahr der musikalischen und szenischen Neuerprobung einiger seiner anderen, fast vergessenen Opern werden sollen und können: «Déjanire» (konzertant)...
Frühling 2019: Die nächste Spielzeit der Pariser Oper wird bekanntgegeben. Auf dem Programm steht ein neuer, von Calixto Bieito inszenierter «Ring», als Abschiedsgeschenk für Musikdirektor Philippe Jordan, der genauso wie Intendant Stéphane Lissner 2021 aus dem Amt scheidet. «Rheingold» und «Walküre» sollen im Frühling 2020 erklingen, «Siegfried» und...
Ja, manchmal bringt es mich schon um den Schlaf, wenn ich nachts über die Situation der Kunstform Oper nachdenke. Hat die Pandemie problematische Entwicklungen noch zugespitzt? Was hat die Saison 2020/21 gebracht? In Erinnerung bleibt das wilde Glücksgefühl, als nach erstem Lockdown der Vorhang tatsächlich hochging und Musiktheater wieder live zu erleben war....
