Aus dem Leben eines Taugenichts
Sie haben bestimmt immer gedacht, nach dem letzten Es-Dur-Akkord der «Zauberflöte» sei für Tamino endlich Schluss mit den Prüfungen, oder? Falsch. Die schlimmste kommt erst, wenn die Premiere schon vorbei ist: die Partyprobe.
Was denn, mögen Sie sich fragen, ist doch nett, so eine Fete! Knabbereien und Prosecco für lau, Glückwünsche von allen Seiten, die Chance, nach wochenlanger Knochenarbeit endlich runterzukommen und mit den Kollegen zu feiern, dass man’s geschafft hat. Herrlich.
Aber mal ehrlich, so läuft das nicht, jedenfalls nicht, wenn Sie kein Star sind. Vielleicht viel später, in der Kantine. Aber der offizielle Teil? Während sich all die Zuschauer, Journalisten, Agenten und Ehrengäste schon versammeln, müssen Sie sich aus dem Kostüm schälen, die Theaterschminke vom Gesicht schrubben und etwas Ordentliches anziehen. Das kann dauern. Wenn Sie endlich wieder aussehen wie ein halbwegs normaler Mensch und ins Foyer kommen, sind Sie zwar froh, dass alles vorbei ist, aber auch müde, hungrig und erschöpft. Keine ideale Verfassung, um sich in einem Meer Wildfremder über Wasser zu halten. Sogleich stellen Sie wieder einmal fest, dass die hors d’œuvres längst von anderen verspeist, ...
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Opernwelt Mai 2015
Rubrik: Magazin, Seite 79
von Christopher Gillett
Täuscht es, oder hat Jules Massenet die Aktschlüsse seiner Werke tatsächlich zum Reinklatschen komponiert? In Paris funktioniert es. Die letzten Takte des «Cid» gehen bruchlos im Jubel eines kompositorisch zum Klatschen verleiteten Publikums auf. Man dürfte früher noch stärker derlei Ritualen gefolgt sein – als man sie noch gewohnt war. Der letzte «Cid», nachdem...
Central City Opera
Im Überschwang des Goldrauschs baute sich Central City ein eigenes Opernhaus. Wie so viele Städte in den Rockies. Rund 100 Jahre später gab es in der Stadt weniger Menschen als Plätze in der Oper. Das Theater hat’s überlebt – Spielhöllen sei Dank.
Sich finden
Am liebsten tingelt Angelika Kirchschlager durch die Dörfer, um in ScheunenLieder zu...
Die Buhrufe am Ende des Premierenabends bleiben unverständlich. Vergessen offenbar, dass die Berliner Staatsoper und ihr Publikum dem Russen Dmitri Tcherniakov so glänzende Inszenierungen wie Rimsky-Korsakows «Zarenbraut» oder Prokofjews «Spieler» verdanken. Berlins Wagnerianer zielten mit dem Protest gewiss auf den Regisseur, aber auch auf den Dirigenten – just...
