Aus dem Geiste Brechts
All jene Inszenierungen von «Tristan und Isolde», die wirklich in die Interpretationsgeschichte eingegangen sind, bedienen Wagners äußerlich so aktionsarme «Handlung» und ihren hochromantisch gestimmten Lobpreis der Nacht mitnichten. Die feministische Kommunistin Ruth Berghaus verbot ihren Darstellern in Hamburg gar dezidiert jegliche Geste des Verliebtseins und verlegte das Geschehen kurzerhand in kosmische Sphären.
Auch ihr linker Ostberliner Schriftstellerkollege Heiner Müller zwängte seine Wagnerheroen in Bayreuth ins choreographische Korsett, schaltete zum Höhepunkt des Liebesduetts dann einfach das Licht aus.
Noch einen Schritt weiter ging nun Tiago Rodrigues in Nancy und wendete die Maximen des epischen Theaters mit maximaler Konsequenz (glücklicherweise nicht ideologisch verengend, sondern mit einigem Humor) auf das kompositorisch kühnste Opus des Gesamtkunstwerkers an. Dabei gerät das Gipfeltreffen von Richard Wagner und Bertolt Brecht glückvoll. Tiago Rodrigues inszenierte an der Opéra national de Lorraine seine erste Oper überhaupt und wagte gleich eine Extraportion an emotionaler Distanzierung. Der portugiesische Schauspieler, Dramaturg, Regisseur und aktuelle ...
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Opernwelt März 2023
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Peter Krause
Die in Leipzig lebende und arbeitende Pianistin Kyra Steckeweh, geboren 1984, spielt seit Jahren vielfältige, häufig spätromantische Werke von Komponistinnen. Und das mit sicherem Geschmack in Sachen Programmdramaturgie, immer mal wieder, in Konzerten mit Rezitation, an der Seite von Schauspielerinnen – und als Interpretin herrlich vollmundig, inbrünstig,...
Der Coup findet seine Fortsetzung: Vor 13 Monaten hatte das «Rheingold» in der Regie von Ewelina Marciniak an den Bühnen Bern Premiere. Damit begann der erste «Ring» überhaupt in Bern, damit begann auch die erste Musiktheaterarbeit der polnischen Regisseurin, die sich – erst in ihrer Heimat und dann auch in Deutschland – zu Recht den Ruf erworben hat, keinerlei...
Manchmal ist die Liebe wie Fallobst. Plumpst unerwartet (und doch seit langem ersehnt) direkt vor unsere Füße, und eine bange Sekunde lang fragt man sich, ob man dieses Obst überhaupt aufheben sollte, oder ob dieses nicht vielleicht sich selbst, gleichsam hegelianisch, «aufhebt» und in die Lüfte entschwebt. Zu groß ist das Erstaunen über seine Existenz (und...
