Blanke Realität, archaische Magie
Holger Falk vermeidet die Hauptstraßen des Liedgesangs. Lieber schlägt er sich ins Unterholz der Moderne, wo er Vergessene und Übersehene entdeckt wie Josef Matthias Hauer oder Hanns Eisler. Vor allem aber ist er ein Partisan, ein Botschafter der mélodie, des französischen Lieds, das hierzulande noch immer ein Außenseiterdasein führt. Was nur wenigen Ausländern gelingt: Falk beherrscht die französische Sprachdeklamation, trifft die besondere Legierung, die Wort und Ton hier eingehen, und damit den Geist dieser Musik.
Nach seinen vielfach prämierten Aufnahmen mit Liedern Erik Saties, Arthur Honeggers und Francis Poulencs legt er nun die erste Folge einer Auswahl von 32 Piècen aus den insgesamt 265 Mélodies und Chansons von Darius Milhaud vor.
Milhaud war die beherrschende Gestalt jener «Les Six» genannten Gruppe neoklassizistischer französischer Komponisten, die sich am Ende des Ersten Weltkriegs unter der intellektuellen Schirmherrschaft Jean Cocteaus gebildet hatte. In ihren Werken fegte sie alles Akademische und Romantische hinweg. Ihr Ideal war Klarheit, Schlichtheit, Lakonie und Ironie bis zum Sarkasmus – in Cocteaus Worten «eine Musik für die Erde, eine Musik für alle Tage». ...
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Opernwelt März 2023
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 26
von Uwe Schweikert
Die in Leipzig lebende und arbeitende Pianistin Kyra Steckeweh, geboren 1984, spielt seit Jahren vielfältige, häufig spätromantische Werke von Komponistinnen. Und das mit sicherem Geschmack in Sachen Programmdramaturgie, immer mal wieder, in Konzerten mit Rezitation, an der Seite von Schauspielerinnen – und als Interpretin herrlich vollmundig, inbrünstig,...
Diese Oper war sein Schmerzenskind. Düster war dieses Kind, «weil es düster sein muss» (so der Schöpfer am 2. Februar 1881 an den Lebensfreund Opprandino Arrivabene), durchtränkt von einer zutiefst pessimistischen Menschensicht und versehen mit einem aus drei Tintenfässern stammenden Libretto, das Eduard Hanslick anlässlich der Wiener Erstaufführung ein Jahr nach...
All jene Inszenierungen von «Tristan und Isolde», die wirklich in die Interpretationsgeschichte eingegangen sind, bedienen Wagners äußerlich so aktionsarme «Handlung» und ihren hochromantisch gestimmten Lobpreis der Nacht mitnichten. Die feministische Kommunistin Ruth Berghaus verbot ihren Darstellern in Hamburg gar dezidiert jegliche Geste des Verliebtseins und...
