Aus dem Fundus
Warum Düsseldorfs Opernchef Tobias Richter als letzte Neuproduktion für die räumlich beengte Ausweichspielstätte RheinOperMobil ausgerechnet Charles Gounods «Faust» auf den Spielplan setzte, bleibt auch nach Besichtigung des musikalisch-szenischen Ergebnisses eine offene Frage. Nicht die frühe Dialogfassung von 1859 wird gespielt, sondern die erheblich erweiterte, durchkomponierte Version von 1869.
Zwar bietet man das oft als Paradestück kulinarischer Opernunterhaltung präsentierte Werk mit triftigen Strichen (der Studentenchor «Vin ou bière» fehlt ebenso wie das Ballett), doch bleibt der Versuch, das temporäre Alu-Zelt zum Podium einer aufs Wesentliche, nämlich die Triebkräfte Fausts, Marguerites und Mephistos konzentrierten éducation sentimentale zu machen, aufs Ganze gesehen unbefriedigend.
Das liegt zum einen an Michael Simons Personenführung. Die offenkundige Intention, den Figuren psychologische Konturen zu verleihen, läuft meist ins Leere – vor allem, weil Gestik und Körpersprache der Protagonisten kaum mehr als Klischees aus dem Theaterfundus produzieren. Eine Verdichtung der grand opéra zum drame lyrique, die Abschmelzung der Tableaus auf das Format eines intimen ...
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