Aufstand im Konzertsaal

Die Vlaamse Opera präsentiert in Antwerpen Giorgio Battistellis «Prova d’orchestra»

Opernwelt - Logo

War es Zufall oder die Macht des Schicksals? Das Orchester der Vlaamse Opera in Antwerpen, das vor kurzem noch seine Auflösung befürchten musste, spielte nun Giorgio Battistellis Oper «Prova d’orchestra» – ein Werk, das die Geschichte eines revoltierenden Klangkörpers erzählt. Vorlage für diese Kompo­sition, die 1995 in Straßburg uraufgeführt wurde, war Federico Fellinis gleichnamiger 1978/79 entstandener Film.

Fellini stritt zwar alle Bezüge zu politischen und sozialen Verhältnissen ab, doch ist kaum zu übersehen, dass er die Anarchie, welche die fiktive Ensemble­repub­lik des Films charakterisiert, nicht zuletzt als Parabel auf die italienische Gesellschaft der siebziger Jahre verstand. Ein autoritärer, ursprünglich aus Deutschland stammender Dirigent gerät hart mit Musikern aneinander, die sich an den Revolten und antiautoritären Ideen der sechziger und siebziger Jahre orientieren. Der Erste Schlagzeuger, zugleich Repräsentant der Gewerkschaft, organisiert den allgemeinen Aufruhr. Eigent­licher Katalysator der Turbulenzen ist ­allerdings ein Fernsehteam, das eine Reportage über das Orchester drehen will. Ob Musiker oder Dirigent – alle schütten vor laufender Kamera ihr Herz aus. ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2006
Rubrik: Magazin, Seite 24
von Willem Bruls

Vergriffen
Weitere Beiträge
Himmel und Hölle

Man könnte sie als eine Ikone des «Musiktheaters» bezeichnen: Als 1961 der Bremer Schünemann-Verlag den be­rühmt gewordenen Band dieses Titels herausgab, entschieden sich dessen Verfasser, Siegfried Melchinger und Walter Felsenstein, für ein Titelbild mit dem Foto von Melitta Muszely als Violetta. Und unterstrichen damit die Bedeutung, die von dieser Sängerin für...

Donizetti: Lucia di Lammermoor

Wenige Tage nach dem Tod Benno Bessons brachte sein legendärer Ausstatter aus Zeiten der Zusammenarbeit an der Volksbühne und dem Deutschen Theater Berlin seine erste Inszenierung eines ita­lienischen Melodramma heraus. Doch Ezio Toffoluttis «Lucia di Lammermoor» am Essener Aalto-Theater machte schmerzlich spürbar, was wir an Besson verloren haben: Sie ist szenisch...

Zündendes Debüt

Die Sandsäcke an der Rampe und die Granateneinschläge, die noch vor dem ersten Ton des Orchesters donnern, die Flower-Power-Jeansrock-Lässigkeit von Salome, das schlichte Anzugsgrau der Hofgesellschaft und die Kampfkleidung der Soldaten – all das behauptet in Meiningen szenisch zunächst einmal die Gegenwärtigkeit eines über hundert Jahre alten Stücks, dessen Sujet...