Auf und ab und alles rund
Einakter sind Stiefkinder des Opernbetriebs. Wirklich?! Wären sie wirklich gut – wie im Fall von «Cavalleria rusticana» und «Bajazzo» –, würden sie den Weg in die großen Opernhäuser schon finden. So könnte man jedenfalls sagen. Starke Einakter von «Salome» bis «Erwartung», von Zemlinskys «Zwerg» bis zu Ravels «L’Heure espagnole» haben sich in ihrer Wirkung nie behindern lassen. Und das, obwohl ein wichtiger Teil fehlt, die Pause.
Seit dem Beginn der Intendanz von Serge Dorny in Lyon 2003 schlägt im dortigen, durch Jean Nouvels Umbau berühmt gewordenen Opernhaus auch ein Herz für Einakter. Und zwar im Doppelpack. Schon 2007 verkuppelte man Werke wie Bizets «Djamileh», Poulencs «Voix humaine» (mit Felicity Lott), Sciarrinos «Luci mie traditrici» und Bartóks «Blaubart» (inszeniert von Laurent Pelly) miteinander. Ergebnis: Nicht einer kommt durch, sondern immer beide. Auch an Abenden, die durch zwei unabhängige Teile zu zerfallen drohen, wird die Unterbrechung keineswegs zum Gehen benutzt. Sondern zum Bleiben.
Jetzt legte man das Erfolgsmodell neuerlich auf. Mit dem von David Pountney damals inszenierten «Tabarro» (ehemals mit Laurent Naouri) und Georges Lavaudants Inszenierung der ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Genau ein Jahr nach dem ersten Band der Musiktheater-Schriften von Joachim Herz (OW 2/2011) sind die beiden Folgebände erschienen; die Auswahl hat der große Regisseur vor seinem Tod im Oktober 2010 noch selbst treffen können. Band II ist zunächst der italienischen (Schwerpunkte sind Verdi und Puccini), russischen und tschechischen (Janácek) Oper des 19. und frühen...
Nichts liegt näher in Verdis «Un ballo in maschera» als die Assoziation mit dem Totentanzmotiv – das Leben, ein bewusstloser Tanz in den Abgrund. Statt des Mondänen das Makabre: Diese Akzentuierung war selten so überdeutlich zu erleben wie in Tatjana Gürbacas detailreicher, fast choreografisch präziser, freilich auch überladener Neuinszenierung am Staatstheater...
Die Schriftstellerin Sibylle Lewitscharoff sagte unlängst, die wirkliche Qualität von Büchern erweise sich erst nach dem Tod des Autors. Da könne man sehen, ob sich noch Leser fänden. Freilich hilft es, wenn ein Autor schon vor seinem Ableben ausreichend Rezipienten hat. Im Fall des polnischen Komponisten und Pianisten Mieczyslaw Weinberg (1919-1996) war Letzteres...
