Auf die Mischung kommt es an

Diana Damrau und Jonas Kaufmann inszenieren Hugo Wolfs «Italienisches Liederbuch»; wie subtil sich unterschiedliche Stimmtypen verblenden lassen, führten Edith Mathis, Brigitte Fassbaender, Peter Schreier und Walter Berry 1974 exemplarisch mit Schumann und Brahms in Salzburg vor

Opernwelt - Logo

Zu einer Zeit, als auch für das Lied orchestrale Heerscharen aufgeboten wurden, stimmte Hugo Wolf mit dem «Italienischen Liederbuch» einen Lobgesang auf den Zauber des Alltäglichen an – gleich die erste Nummer kündigt das program­matisch an: «Auch kleine Dinge können uns entzücken». Anfang 2018 waren Wolfs 46 Miniaturen europaweit einem Arena-Ambiente ausgesetzt: in Berlin, Hamburg und Essen, in London und Paris, in Barcelona und Budapest.

Denn gesungen wurden sie von zwei Promis, die große Hallen füllen: Diana Damrau und Jonas Kaufmann verkürzten die Sammlung, die das Lebensgefühl der Toskana spiegelt, zum Dialog eines mal zärtlichen, mal zänkischen Liebespaares. Man könnte auch sagen: Die Stars waren hier das Programm.

Bei dem CD-Dokument handelt es sich um einen Mitschnitt des Konzerts aus dem Alfried Krupp Saal der Essener Philharmonie. Die erste klangliche Forderung an Liedinterpreten, heißt es in Franziska Martienssen-Lohmanns Buch «Der wissende Sänger», sei die Fähigkeit, Farben zu mischen. Doch schon in puncto Timbre passen der helle (fast weißliche) Klang der Sopranistin und der Bronzeton des Tenors so wenig zusammen wie die Manier der Gestaltung: eher deklamatorisch ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Februar 2019
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 20
von Jürgen Kesting

Weitere Beiträge
Herr des Himmels!

Der Abend beginnt mit einem Schrei, der irgendwo aus den Höhen der Philharmonie kommt, gefolgt von einem «Halleluja»! Und auch sonst ist alles anders bei dieser «Messiah»-Aufführung: Das Deutsche Symphonie-Orchester spielt, zum ersten Mal in seiner 62-jährigen Geschichte, auf Darmsaiten und mit Barockbögen. Außerdem sitzen die Musiker ganz hinten auf der Bühne,...

Bittersüßer Reigen

Manchmal ist das Ferne ganz nah. Fährt direkt unter die Haut, bis wir nicht ein noch aus wissen. Bis wir zu fragen vergessen, warum uns eine mehr schlecht als recht erzählte Geschichte aus dem 19. Jahrhundert den Atem stocken lässt. Eine Geschichte, die auf einer Insel im Indischen Ozean spielt (Ceylon) – mit einem von geistergläubigem Volk auserwählten König...

Zwischenfächer

Als «de demi-caractère», zwischen den Fächern des heldischen und des leichten Tenors liegend, bezeichnete man in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts jene Partien der französischen opéra-comique, die wie Gounods Roméo oder Massenets Des Grieux sowohl lyrische Eleganz wie dramatische Kraft, Prägnanz der Artikulation wie Flexibilität der Kopfstimme erfordern....