Director's Cut
Wie alle wahren Genies ist Mozart immer auch Kind geblieben. Die Tiefe und Überfülle seiner Kunst hat viel damit zu tun, dass er das Staunen nie verlernt hat. Ein Staunen, das nicht urteilt, sondern verstehen will. Die Welt. Sonne, Mond und Sterne. Vor allem aber den Menschen, das rätselhafteste, faszinierendste Wesen der Schöpfung. Wer sind wir? Wo stehen wir? Was treibt uns an? Was ist Liebe? Was bedeutet der Tod? Mozart fragt sich das ganz naiv, immer wieder neu. Ein beängstigend wacher, intuitiv verständiger Beobachter, der mitten aus dem Leben heraus das Leben zu begreifen sucht.
Seine unfassbare Widersprüchlichkeit und Vielfalt. In Mozarts Musik gibt es nichts Eindeutiges, kein Schwarz oder Weiß. Nur Farben, in allen Mischungen und Tönen. Seinen Opernfiguren fehlt alles Schablonenhafte, Konstruierte – selbst wenn sie aus dem Typenkatalog der Seria oder Commedia dell’Arte stammen. Herz und Verstand, Gefühl und Geist durchdringen sich, das eine ist undenkbar ohne das andere. In jedem Lachen rinnt eine Träne. Wohl keiner hat die Paradoxien der menschlichen Existenz so klar gesehen und umfassender, ungeschönter, schöner in Klänge gefasst als Mozart.
Deshalb spricht er uns noch ...
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Opernwelt Januar 2013
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Albrecht Thiemann
Johoo – und ’ne Buddel Rum» – das wilde Piratenlied durchzieht quasi als Leitmotiv die Kinderoper Die Schatzinsel nach dem Abenteuer-Klassiker von Robert Louis Stevenson. Das Opernhaus Zürich unter seinem neuen Intendanten Andreas Homoki hat sie Frank Schwemmer (Homoki hat ihn sozusagen aus Berlin mitgebracht) und dem Librettisten Michael Frowin in Auftrag gegeben...
Befreit. Gundula Janowitz sitzt in einem Stuttgarter Hotel, lächelt, kraus ist das kurze, weiße Haar, das einst, in den Sechzigern, für Promofotos hochtoupiert war. «Befreit», das Strauss-Lied hat sie oft gesungen bei ihren Liederabenden. Nun ist das Vergangenheit: 1990 hat sie ihre Opernkarriere beendet, 15 Jahre noch Liederabende gegeben. Heute sind Jurys Gundula...
Der dunkle Bruder des Ruhms ist das Vergessen. Josef Myslivecek, zu Lebzeiten in Italien als «il boemo» verehrt, angereichert gelegentlich sogar durch das Epitheton «divino», geriet nach seinem Ableben (1781 in Rom) sehr schnell in den Schatten Mozarts. Die Musikgeschichte verbog sich sogar zum Gerücht, er hätte beim Salzburger Genie abgekupfert. Dabei war’s eher...
