Apropos ... Radames: Salvatore Licitra
Herr Licitra, den Radames singen Sie allein in diesem Jahr 26-mal. Wird Verdi da nicht irgendwann zur Routine?
Selbst wenn ich mich drei Stunden in der Garderobe einsinge, ist es jedes Mal wieder etwas völlig anderes, sobald ich auf die Bühne muss. Die Gegenwart von zweitausend Menschen ändert die psychologische Situation total. Außerdem ist Radames einfach eine verteufelt schwere Rolle – vor allem, wenn man singt, was Verdi geschrieben hat.
Zum Beispiel das Diminuendo auf dem hohen B am Ende von «Celeste Aida», das die meisten Ihrer Kollegen einfach ignorieren.
In gewisser Weise verstehe ich das sogar, denn das Publikum versteht es oft nicht, wenn man dieses Diminuendo macht. Selbst Carlo Bergonzi bekam nur Höflichkeitsapplaus, wenn er das gesungen hat. Der Geschmack der Leute ist da leider verdorben – die meisten lassen sich von Gebrüll beeindrucken und machen sich keine Gedanken über die musikalischen Zusammenhänge. Das ist ähnlich wie im «Troubadour», wo alle auf das hohe C am Ende von «Di quella pira» warten. Obwohl dieses C gar nicht von Verdi ist und harmonisch nicht dorthin passt.
Und wie reagiert man auf solche Erwartungshaltungen?
Mit Kompromissen, die von Aufführung zu ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernhäuser sind – zumindest in Deutschland – vom Staat hoch subventionierte Wirtschaftsbetriebe. Natürlich fließt hier als Umwegrentabilität durch die Ausgaben der Beschäftigten, der Gastkünstler und vor allem der Besucher ein Vielfaches an die Geldgeber zurück. Doch selbst ein so erfolgreiches Haus wie die Bayerische Staatsoper schafft kaum mehr als 30 Prozent...
Ein Trompe l’oreille ist diese Musik, nur scheinbar glanzvoll die Regenbogenbrücke am Schluss des «Rheingold». «Falsch und feig ist, was dort oben sich freut», klagen denn auch die Rheintöchter. Und selbst das Heldenmotiv (in Wien am Premierenabend im Übereifer ein wenig verzerrt) strahlt nur vermeintlich. Wotans «großer Gedanke» – eine Schimäre. An dieser Stelle...
Schon der Begriff «Nowosibirsk» gilt im deutschsprachigen Raum als Synonym für das Ende der Welt. Umso erstaunlicher, dass eine Opernproduktion, die in Sibirien aus der Taufe gehoben wurde, bei ihrer Premiere an der koproduzierenden Pariser Bastille-Oper deutlich frischer, unkonventioneller und gegenwartsnäher daherkommt als der mitteleuropäische Mainstream.
Macbeth...
