Allmächtige Ohnmacht
Wagner und Schönberg? Es gibt Ambivalenzen, die vernachlässigt worden sind – zum Beispiel im «Lohengrin». Wagners Oper und «Moses und Aron» scheinen ideologisch entgegengesetzte Pole einzunehmen, lassen sich aber spiegelbildlich aufeinander beziehen. In beiden Fällen gibt es ein verunsichertes Volk und einen Helden, der den Weg weisen soll, aber durch ein Verbot der höchsten Instanz behindert wird.
Der Auftrag des Absoluten und die Bedingtheit des Irdischen lassen sich nicht vereinbaren: Lohengrin wird durch sein Schweigegelübde, Moses durch das Bilderverbot und die «Reinheit des Denkens» gebremst. In einem zweiten Beitrag setzt sich der Dirigent Hartmut Haenchen mit der Tempofrage bei Wagner auseinander.
Vor allem den Großveranstaltungen der Nationalsozialisten, besonders den Nürnberger Reichsparteitagen, war der «Nibelungen»-Marsch vorbehalten, dem offenkundig ganz besondere nordisch-«heldische» Stimulationskraft zugeschrieben wurde – tönendes Doping fürs Reckentum. Der Titel des Stücks von Gottfried Sonntag, einem Bayreuther Militärmusiker (1846-1921), lässt sich leicht erklären, verweist er doch eindeutig auf Wagners «Ring des Nibelungen», dem er einige obligat markante, teils ...
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Opernwelt Jahrbuch 2013
Rubrik: Wagner 200, Seite 58
von Gerhard R. Koch
Alle Welt reißt sich um Richard Wagner und Giuseppe Verdi, während der dritte Jubilar, Benjamin Britten, nach wie vor um Anerkennung kämpft, vor allem außerhalb Großbritanniens. Lange galt er den Konservativen als zu radikal, den Radikalen als zu
konservativ, und noch immer hält ihn mancher Kritiker für zweitrangig. Doch Britten ging einfach seinen eigenen Weg. Er...
Jahrzehntelang hatte das Nationaltheater Mannheim ein klar umrissenes, man könnte auch sagen: ein eng umgrenztes, trotzdem weit ausstrahlendes Profil. Mannheim war die Stadt eines gediegen gepflegten Wagner-Kults. Weniger wegen szenischer Neuerungen als wegen der musikalischen Stabilität. Horst Stein, ab 1963 für sieben Jahre Musikchef, nannte Bayreuth gern den...
Hier arbeitet sie am liebsten, in ihrer Altbauwohnung im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg. Das Atelier: ein heller Raum mit Dielenboden. Links hohe Bücherregale, rechts ein Sofa, in der Ecke eine Tafel mit den aktuellen Entwürfen. Das Zentrum des Raums aber bildet der lange Tisch unter den großen Fenstern. Bis auf die Kästen mit Arbeitsutensilien an der Seite ist...
