Alles Theater
Der Zauber eines Ortes hängt nicht zuletzt an den Geschichten, die man sich über ihn erzählt. Was wäre Rom ohne den Mythos von Romulus und Remus? Was Paris ohne die heroischen Berichte vom Sturm auf die Bastille? Und was Wien ohne die Verklärung seiner glanzvollen k.u.k.-Vergangenheit? Aus Legenden, Fabeln, Anekdoten spricht der Genius Loci manchmal direkter als aus gebauten Formen oder Symbolen. Auch auf Malta.
Der Archipel umfasst zwar nur 316 Quadratkilometer, zählt aber zu den ältesten Siedlungsgebieten Europas – rund 7000 Jahre wild durchmischte Kulturgeschichte sind kein Pappenstil. Vielleicht wurde die Lust am Fabulieren ja von den Arabern geweckt, die das Heft zwei Jahrhunderte in der Hand hatten. Und vielleicht ist der sense of humour, der hier zum guten Ton gehört, ein Erbe der britischen Kolonialherrschaft, die 150 Jahre währte – bis zur Unabhängigkeit 1964. Wen wundert es da, dass in dem Inselstaat zwischen Sizilien und Nordafrika die Kunst der episodischen, oftmals heiter-ironischen Selbstdarstellung herrlichste Blüten treibt?
Eine köstliche Schnurre aus neuerer Zeit geht so: In der kleinen Ex-Hauptstadt Mdina (sprich: Imdina) wollte man eines Tages große Oper geben: ...
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«Unter welche Rubrik gehört eigentlich dieser Zarathustra? Ich glaube beinahe, unter die Symphonien» – schrieb Friedrich Nietzsche am 2. April 1883 an Peter Gast. Musik ist überall in den «subjektiven Ergüssen» (Giorgio Colli) des Philosophen und dilettierenden Komponisten anzutreffen. Franz Hummels neueste Oper, ein Auftragswerk für das Theater Regensburg, heißt...
Der Alptraum hat nichts Exotisches. Er nistet mitten unter uns. Im ganz normalen Wahnsinn des kleinbürgerlichen Alltags. Auf der Bühne: Leute von heute in lässigen Klamotten. Steril, aseptisch, schreiend kalt mutet die Behausung dieser geschlossenen Gesellschaft an – ein weiß gleißender Kubus. Ein paar Umzugskisten, billiges Polstermobiliar, zwei diagonal...
Die Verkettung einander ausschließender Emotionen gehört zu den Grundstrukturen der Operndramaturgie. Grétry und sein Librettist Louis-Guillaume Pitra haben für ihre 1780 an der Pariser Académie Royale de Musique uraufgeführte Oper auf Jean Racines Tragödie «Andromaque» zurückgegriffen. In diesem für die französische Klassik ungewöhnlich düsteren Stück geht es...
