Affäre Salome
Einer der unumstößlichen Regiegrundsätze lautet: Wer sich bei Kollegen freimütig bedient, sollte sich nicht erwischen lassen – und wenn doch, dann wenigstens dazu stehen. Beides ging bei der diesjährigen Eröffnung der Wiesbadener Maifestspiele daneben, die einerseits zum großen Erfolg für GMD Marc Piollet und sein Orchester wurde, andererseits aber ein ärgerlicher Eiertanz des Regie führenden Intendanten Manfred Beilharz.
Alles, was in seiner Wiesbadener Inszenierung über ein solides Arrangement hinausgeht – Salome wird von Jochanaan rythmisch getauft, der Prophet wird aus der Zisterne meterhoch in die Haltung des Gekreuzigten gezogen, der Tanz der sieben Schleier endet mit geldwerfenden Juden, das Finale kulminiert in einem gezückten Metzgersmesser – ist quasi eins zu eins aus der Produktion von Carlos Wagner 2005 in Montpellier übernommen. Und da im Internet zahlreiche Bilder und Videos aus Montpellier jederzeit zugänglich sind, konnte dies nicht verborgen bleiben.
Die Zeitungen wetterten, nur ein einziger publizierender Zeitgenosse raffte sich auf, die offensichtliche Selbstbedienung als erfreuliche «Weiterentwicklung von Inszenierungstendenzen» zu verbrämen. Und – was die ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Kein New York-Besuch ist wirklich gelungen ohne einen Abend im Lincoln Center. Seit seiner Eröffnung vor fünfzig Jahren gilt es als das amerikanische Zentrum für Musik, Oper, Schauspiel und Tanz. Insgesamt zwölf Organisationen (von der Juilliard School bis zur Metropolitan Opera, dem New York City Ballet über die New York Philharmonic bis zur School of American...
Ein Volltreffer («La Juive»), eine szenisch aufrüttelnde Produktion («Der fliegende Holländer») und zwei musikalisch halbwegs gelungene Abende («Les Troyens», «Idomeneo») bilden die nicht gerade üppige Bilanz der diesjährigen Stuttgarter Saison, die zum Spielzeitende mit Rossinis französischer Buffa «Le Comte Ory» den Tiefpunkt dessen erreichte, was man an diesem...
Jazz und Klassik – das ist eine nicht immer unbedingt glückliche Beziehung gewesen. Zugleich aber ist es die Geschichte einer schon lange währenden wechselseitigen Faszination: Kaum tönten die ersten blue notes und syncopated rhythms aus New Orleans, Chicago und New York, da horchten auch schon Komponisten in Europa interessiert auf. Igor Strawinsky, Darius...
