Affäre Salome
Einer der unumstößlichen Regiegrundsätze lautet: Wer sich bei Kollegen freimütig bedient, sollte sich nicht erwischen lassen – und wenn doch, dann wenigstens dazu stehen. Beides ging bei der diesjährigen Eröffnung der Wiesbadener Maifestspiele daneben, die einerseits zum großen Erfolg für GMD Marc Piollet und sein Orchester wurde, andererseits aber ein ärgerlicher Eiertanz des Regie führenden Intendanten Manfred Beilharz.
Alles, was in seiner Wiesbadener Inszenierung über ein solides Arrangement hinausgeht – Salome wird von Jochanaan rythmisch getauft, der Prophet wird aus der Zisterne meterhoch in die Haltung des Gekreuzigten gezogen, der Tanz der sieben Schleier endet mit geldwerfenden Juden, das Finale kulminiert in einem gezückten Metzgersmesser – ist quasi eins zu eins aus der Produktion von Carlos Wagner 2005 in Montpellier übernommen. Und da im Internet zahlreiche Bilder und Videos aus Montpellier jederzeit zugänglich sind, konnte dies nicht verborgen bleiben.
Die Zeitungen wetterten, nur ein einziger publizierender Zeitgenosse raffte sich auf, die offensichtliche Selbstbedienung als erfreuliche «Weiterentwicklung von Inszenierungstendenzen» zu verbrämen. Und – was die ...
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Die Geduld zahlte sich nicht aus: Achtundzwanzig Jahre hat man in Braunschweig auf diese «Lohengrin»-Neuinszenierung gewartet, doch zumindest szenisch blieb das Ergebnis unter dem üblichen Niveau des Staatstheaters.
Auf der Bühne sehen wir eine riesige Holzskulptur, halb Schwanenskelett, halb Trojanisches Pferd, die so gar nichts von Wagners silbrig-mystischer...
Jazz und Klassik – das ist eine nicht immer unbedingt glückliche Beziehung gewesen. Zugleich aber ist es die Geschichte einer schon lange währenden wechselseitigen Faszination: Kaum tönten die ersten blue notes und syncopated rhythms aus New Orleans, Chicago und New York, da horchten auch schon Komponisten in Europa interessiert auf. Igor Strawinsky, Darius...
Luigi Cherubinis «Médée» gerät seit ihrer Pariser Uraufführung 1797 regelmäßig in Vergessenheit, um periodisch immer wieder neu entdeckt zu werden. Ihre jüngste Renaissance mit Inszenierungen in Wien (siehe OW 5/2008) und Brüssel (siehe OW 6/2008) verdankt sie Heiko Cullmanns 2007 erschienener, preisgekrönter Neuedition im Simrock-Verlag. Der Klagenfurter...
