Ästhetik des Widerstands
Zu den Schriftstellern, die es wagten, Unerträgliches, konkret: das in zwei Weltkriegen und dem Holocaust kulminierende Inferno des 20. Jahrhunderts zu thematisieren, gehört Peter Weiss. Im November wäre er einhundert Jahre alt geworden. Im schwedischen Exil überlebend, hinterließ er vielfältige Texte, Gemälde, Zeichnungen und Experimentalfilme. Aber so wie er, zwischen Ländern, Sprachen, Genres wechselte, so ist er auch als Theaterautor mehrfach gepolt: zwischen Kasperle und Brecht auch Surrealismus, Artaud und Genet.
Es ist die Ästhetik von Schaubude und Grand Guignol: grotesk, makaber, alogisch und antipsychologisch – sinnverweigernd, später indes auf politische Agitation fixiert.
Innerhalb solch buntscheckiger Dramaturgie ist immer wieder Platz für Musik, als Scharnier oder Ferment; doch zur Literaturoper taugen die Stücke kaum. So ist es kein Zufall, dass gerade der Horror-Topos schlechthin, Auschwitz, zwei überragende Künstler zusammenführte: Peter Weiss und Luigi Nono. «Die Ermittlung – Oratorium in 11 Gesängen» ist kein Stück fürs Theater, tendiert eher zur schier hörspielhaften dokumentarischen Lesung, basierend auf den Protokollen des Frankfurter ...
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Opernwelt Januar 2017
Rubrik: Magazin, Seite 78
von Gerhard R. Koch
Was wäre die Operngeschichte ohne Prosper Mérimée? Bizets «Carmen» wie Offenbachs «La Périchole» verdanken sich Erzählungen des schreibenden Juristen, der im Hauptberuf als Frankreichs oberster Denkmalschützer wirkte. Sein 1829 erschienener Roman «1572. Chronik der Herrschaft Karls IX.» wurde gar zweimal aufgegriffen: in Meyerbeers blutiger Historienoper «Les...
Der Abend ist Legende: Sagenhafte 29 Jahre und 369-mal lief Walter Felsensteins Inszenierung des «Ritter Blaubart» an der Komischen Oper Berlin. Jetzt ist sie, knapp ein Vierteljahrhundert nach ihrer Absetzung, als Remake am Staatstheater Cottbus wieder aufgetaucht. Damit setzt sich das Haus an die Spitze eines Trends, dem 2017 auch die Salzburger Festspiele...
Händels Zeitgenossen taten sich schwer mit seinem musical drama «Hercules», in dem sich Traditionen der Oper und des Oratoriums vermischen. Heute gilt das Werk als eines der packendsten des Komponisten, das sich, anders als zur Zeit Händels, mit den Mitteln des modernen Theaters auch auf der Bühne realisieren lässt. Für Luc Bondy war «Hercules» die erste und...
