Ägypten und Disneyland
Sie kam, sang und siegte. Was Marie-Nicole Lemieux in der neuen Einspielung des Giulio Cesare in Egitto aus der Titelfigur herausholt, ist schlichtweg atemberaubend. Mit unerschöpflicher Energie vollzieht sie Händels Gipfelsturm in Sachen Charakterisierungskunst nach, stellt dabei das reiche Farbspektrum ihres Contralto-Mezzo auf die Affektsituation der jeweiligen Arie ein. Und jeder Ton, jedes Wort ist mit Bedeutung aufgeladen.
Man höre etwa, wie sie die Arie «Empio, dirò, tu sei» in atemlose Wut, Abscheu, Entsetzen – und Mitgefühl für Pompeos Witwe Cornelia – packt, Koloraturen furios setzt, doch dabei stets auf Linie bleibt. Und man vergleiche dies etwa mit der süffig gesungenen Arie «Se in fiorito ameno prato», in der sie mit der Solovioline einen elegant-witzigen Dialog eingeht, wo Vokal- und Instrumentalstimme einander etwa bei den Worten «fa più grato» geschmeidig umschlingen. Zwei Beispiele, pars pro toto, für eine außerordentliche Interpretation.
Ihr ebenbürtig Karina Gauvin, frankokanadische Landsfrau der Lemieux und eine der besten Interpretinnen der Cleopatra in jüngerer Zeit. Sie charakterisiert die Verführerin mit süffigem, rundem Timbre, das sie sul fiato, auf dem ...
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Opernwelt Januar 2013
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 17
von Gerhard Persché
R egie: Katharina Wagner». Diese Ankündigung war noch zwei Tage vor der Premiere des «Colón Rings» im Buenos Aires Herald zu lesen, womit gewissermaßen noch einmal der Finger in die Wunde gelegt wurde.
48 Stunden Bedenkzeit hatte sich die Argentinierin Valentina Carrasco, Mitglied der Theatergruppe La Fura dels Baus, ausbedungen für ihre Entscheidung, die Regie des...
Sie können es nicht lassen. Von der Bühne sind sie schon lange abgetreten, aber selbst auf dem noblen Altenteil in einem englischen Landhaus giften die Primadonnen munter weiter. Doch sonst hat Regie-Debütant Dustin Hoffman (75) seine Filmkomödie über ein Domizil für pensionierte Musiker und Opernsänger (Beecham House) in nostalgisch-mildes Sommerabendlicht...
Immerhin. Man hält's im Hause des reichsten Mannes von Wien – wie wahrhaftig auch immer – mit der aktuellen Kunst. Man gibt eine Oper in Auftrag, wenn man sie auch später verstümmelt, und auf Tilo Steffens’ Bühne zu Ariadne auf Naxos erblicken wir hinten, hoch oben in der Festloge, den Haushofmeister, in Klimts Jugendstilmalerei vertieft. Wie man mit den...
