Absurde Bohème
Manchmal kommt die Überraschung auf leisen Sohlen, wie jetzt bei der spektakulären Wiederentdeckung von Edison Denisovs Oper L’Écume des jours (Der Schaum der Tage) in Stuttgart. Das 1986 in Paris erfolglos uraufgeführte und zuletzt 1994 in Mannheim gespielte Werk ist ein schillernder Solitär, der scheinbar leichtgewichtig stilistisch konträre Elemente wie Zwölftonmusik, Jazz und Chanson mischt.
Diese Offenheit hat viel mit Denisovs Vorliebe für die französische Kultur, mehr noch mit dem Stoff zu tun, der ihn zu seiner surrealistischen Oper inspirierte, Boris Vians Roman L’Écume des jours. In diesem 1947 erschienenen Kultbuch hat der früh verstorbene Bohemien, Schriftsteller, Jazztrompeter und Chansonnier Vian das Lebensgefühl der existenzialistischen Nachkriegsgeneration getroffen. Er erzählt hier mit Wortwitz und ironischen Schlaglichtern die bittersüße Liebesgeschichte von Colin und Chloé, die sich kennen und lieben lernen, heiraten, in den Tag hineinleben, bis in Chloés Brust eine Seerose wächst, an der sie stirbt. Colins Freund, der Büchernarr Chick, wird von Polizisten erschossen; seine Freundin Alise kommt bei der Brandstiftung um, die sie in einer Buchhandlung begeht. ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Januar 2013
Rubrik: Im Focus, Seite 8
von Uwe Schweikert
Die Verkaufte Braut ist ein diskografischer Problemfall. Die frühen Aufnahmen, etwa unter Thomas Beecham 1939 oder Karel Ancerl 1947, sind gekürzt. Ein Großteil späterer Einspielungen ist in deutscher Sprache, darunter die Lesart Otmar Suitners von 1962 und die sängerisch immer noch betörende Produktion unter Rudolf Kempe mit Fritz Wunderlich und Pilar Lorengar,...
Wenn der Vater mit dem Sohne, hieß ein tränenseliger Spielfilm aus dem Jahr 1955 mit Heinz Rühmann und Oliver Grimm. An einen Streifen mag man auch bei der Konstellation Mutter und Sohn denken, die Renate und Daniel Behles Recital Generation bietet – nämlich einen Moment lang an Loriots ersten Spielfilm Ödipussi. Doch verscheucht man diese Gedanken sofort, da die...
Jubilare
Wie so viele britische Dirigenten ist er ein Spross der Kathedralchortradition und ausgebildeter Organist. Heute kennt man Richard Armstrong als Operndirigenten mit Schwerpunkt auf den Werken Verdis, Wagners, Strauss’ und Janáceks. Armstrong war von 1973 bis 1986 Music Director der Welsh National Opera, dieselbe Position hatte er von 1993 bis 2005 an der...
