Aaaaahhh

Matthus: Effi Briest
Cottbus | Staatstheater

Opernwelt - Logo

Arme Effi. Wie Theodor Fontane das Schicksal des Mädchens aus dem Havelland in seinem perfekt temperierten Roman beschreibt, geht noch immer unter die Haut. Die ins Korsett erstarrter Gesellschaftsregeln gezwängte Lebensfreude. Das naiv-provinzielle Aufsteigersehnen nach einem Leben in der Berliner Noblesse. Die innere Vereinsamung unter dem Regiment eines Gatten, der in pflichtschuldigem Dienst an König und preußischem Vaterland aufgeht. Die Flucht in eine Romanze mit tödlichem Ausgang. Das Verlöschen der Kräfte, das siechende Ende, von der Welt verstoßen, von Gott verlassen.

Kein Zweifel, «Effi Briest», 1896 erstmals als Buch erschienen, vielfach dramatisiert und verfilmt, ist das deutschsprachige Pendant zu Gustave Flauberts «Madame Bovary». Große Literatur, die weder verklärt noch verurteilt, vielmehr mit menschlichem Maß misst, von Irrungen, Wirrungen und der Macht des Zufalls erzählt, in geschliffener, aus Sympathie gewonnener Sprache.

In 36 Kapiteln entfaltet Fontane die Tragödie seiner ins Nichts gleitenden Heldin.  Und exakt 36 – von einem Prolog und Epilog gerahmte – Szenen gliedern auch das musikdramatische Opus, das Siegfried Matthus im Auftrag des Staatstheaters ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Dezember 2019
Rubrik: Panorama, Seite 34
von Albrecht Thiemann

Weitere Beiträge
Vital bis ins hohe Alter

Er war der letzte bedeutende Zeuge einer großen Ära der italienischen Oper und ein vielseitiger Sängerschauspieler der Sonderklasse: der Bariton Rolando Panerai. 1924 in Campo Bisenzio (bei Florenz) geboren, debütierte er nach Studien in Florenz und Mailand 1946 in seinem Heimatort als Enrico in «Lucia di Lammermoor». Erste herausragende Aufgaben fand er beim...

Fahr zur Hölle, Liebling!

Was für ein verrückter Abend! Unbotmäßig und aberwitzig ist er, irritierend, inspirierend, intrikat, frech, voller Fantasie, Furor und Finesse. Kurz: ein Abend wie ein Rausch, der vorüberfliegt. Oder auch wie die Reise durch eine Matrix, aus der es definitiv kein Entrinnen gibt.

Gespielt, getanzt (und gerannt) wird Mozarts «Don Giovanni». Aber dieser...

Kurswechsel

Als Zeitreise durch die Aufführungsgeschichte des «Fidelio» hatte Paul-Georg Dittrich Beethovens Befreiungsdrama 2018 am Theater Bremen auf die Bühne gebracht. Acht historische Inszenierungen ließen der Regisseur und die Bühnenbildnerin Lena Schmid in einem musealen Guckkasten wiederauferstehen. Von der Wiener Uraufführung (1814) spannte sich der Bilderbogen über...