Gemischte Gefühle

Die Salzburger Pfingstfestspiele beschwören unter Riccardo Muti erneut neapolitanischen Esprit

Opernwelt - Logo

Auf den großen Wurf mussten die Salzburger Pfingstfestspiele lange warten. Zwar kamen durchaus nam­hafte En­semb­­les und Solisten, doch gaben sie meist genau das zum Bes­ten, was sie ohnehin gerade parat hatten; nur wenige Novitäten fanden den Weg an die Salzach. Insofern war die Idee des neuen Intendanten Jürgen Flimm plausibel, Riccardo Muti eine Carte blanche zu geben, ihn fünf Jahre lang schalten und walten zu lassen. Muti erklärte daraufhin, man wolle den Geist Neapels atmen – in Form von raren Opern, Oratorien und Konzertstücken vorwiegend aus dem goldenen Settecento.

Die ersten Muti-Festspiele im vergangenen Jahr wurden nicht nur ein großer Publikumserfolg, sondern brachten tat­sächlich einige neue alte Töne. Konzertchef Markus Hinterhäuser bot ein klug durchdachtes Programm jenseits der Cimarosa-Ausgrabung «Il ritorno di Don Calandrino». Leider geriet just diese Oper zum Problem, denn Mutis Recherchen in den Archiven brachten ein Werk ans Licht, das weder musikalisch noch dramaturgisch (und ebenso wenig in der biederen Inszenierung Ruggero Cappuccios) überzeugen konnte.
Auch die zweite Ausgabe der pfingstlichen Erweckung neapolita­nischer Klän­ge hinterlässt einen eher ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juli 2008
Rubrik: Magazin, Seite 31
von Jörn Florian Fuchs

Vergriffen
Weitere Beiträge
«Bellißima»

Nach Tommaso Traettas »Sofonisba» (siehe OW 4/2006) und Niccolò Piccinnis »Catone in Utica» (siehe OW 4/2007) erinnert Mannheim zum dritten Mal an die gro­ße Zeit der kurpfälzischen Hofoper unter Kurfürst Karl Theodor. Diesmal fiel die Wahl auf den 1766 uraufgeführten «Alessandro» von Gian Francesco de Majo. Wie Piccinni, Traetta und Gluck gehörte der 1770...

Liebeserklärungen

Jazz und Klassik – das ist eine nicht immer unbedingt glückliche Beziehung gewesen. Zugleich aber ist es die Geschichte einer schon lange währenden wechselseitigen Faszination: Kaum tönten die ersten blue notes und syncopated rhythms aus New Orleans, Chicago und New York, da horchten auch schon Komponisten in Europa interessiert auf. Igor Strawinsky, Darius...

Konfektionsbarock

Im Schatten der Händel-Hits «Giulio Cesare» und «Alcina» hat es der 1733 uraufgeführte «Orlando» zu er­staun­licher Popularität gebracht. Über dreißig Inszenierungen hat die Oper um den wahnsinnigen Rittersmann allein in den letzten zehn Jahren erlebt, doch die Produktion der diesjährigen Göttinger Händel-Festspiele braucht den Vergleich nicht zu scheuen. In der...