Genau, sehr genau, unerbittlich genau

Für seinen «Ring des Nibelungen» in Bayreuth und «Die Soldaten» an der Bayerischen Staatsoper ist Kirill Petrenko zum «Dirigenten des Jahres» gewählt worden. Wie arbeitet dieser Künstler, der keine Interviews gibt, dafür aber die Musik zum Sprechen bringt? Eine Annäherung

Opernwelt - Logo

Man kann es aufregend oder niederschmetternd finden, bereichernd oder befremdlich. Fest steht jedenfalls, dass die aktuelle «Ring»-Produktion in Bayreuth durch auseinanderstrebende Kräfte gekennzeichnet ist. Und das in einer Weise, wie sie so extrem bei den Festspielen noch nie der Fall war. Was ist geschehen?

Zunächst die Inszenierung. Frank Castorf deutet den «Ring» nicht.

Er ­versucht nicht, mit hermeneutischem Tiefsinn irgendwelche neuen Details ­herauszufiltern, er horcht nicht hinein in die Musik, in ihre teils offenliegende, teils subkutane Motivstruktur, ihre ungewohnten Klangkombinationen, ihren Umgang mit der Zeit. Er stülpt stattdessen sein Castorf-Theater über den «Ring» – und bleibt sich damit treu. 1993, als seine erste Spielzeit an der Berliner Volksbühne zu Ende gegangen und das Haus glorreich auferstanden war, formulierte der Intendant eine Art Credo: «Ich komme aus dem Fußball, dem Rock-’n’-Roll, aus dem rausgebrüllten Unmut, aus der Neurose. Da sind die Kategorien zerbrochen. Ich glaube nicht an einen ästhetischen Rettungsversuch über Werktreue, über Selbstbeschneidung, über das tiefe Hineinhorchen in ein Kunstwerk, an diese Art Intensität aus dem poetischen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Jahrbuch 2014
Rubrik: Dirigent des Jahres, Seite 16
von Stephan Mösch

Weitere Beiträge
Die Kritikerumfrage im Detail

Kategorien

1.     Uraufführung
2.     Wiederentdeckung
3.     Aufführung
4.     Regie
5.     Bühne
6.     Kostüme
7.     Dirigent(in)
8.     Sänger(innen)
9.     Nachwuchskünstler(innen)
10.   Opernhaus
11.   Orchester
12.   Chor
13.   Ärgernis
14.   Buch
15.   CD/DVD

 

John Allison
London
Opera, Sunday Telegraph

1.    André Tschaikowskys «The Merchant of Venice» bei den Bregenzer...

«Die Zdenka hat vieles verändert»

Hatten Sie die Rolle der Zdenka vor Salzburg überhaupt auf dem Radar?
Nein, gar nicht. Man ist ja als lyrische Sopranistin naturgemäß auf Mozart fokussiert, auf Susanna oder Pamina. Ich wurde zu einem Vorsingen bei Christian Thielemann in Dresden eingeladen, das war noch zu meiner Zeit im Münchner Opernstudio. Da ich nichts von Strauss im Repertoire hatte, er aber...

Semper reformanda

Sein Koch verstehe mindestens so viel vom Kontrapunkt wie Gluck, soll Georg Friedrich Händel gespottet haben, als der böhmische Komponist in London auftauchte und der italienischen Oper mit seinem Pasticcio «La caduta de’ giganti» im King’s Theatre Anfang 1746 neues Leben einzuhauchen versuchte. Nun war Händels Koch im Hauptberuf eigentlich Sänger, was die...