Liebeserklärung

Barbara Hannigan und Reinbert de Leeuw gratulieren Erik Satie

Opernwelt - Logo

Ein «symphonisches Drama» hat Satie seine 30-minütige Kantate über die letzten Tage des Sokrates genannt. Man kann diesen Wink nur als Witz verstehen, als sarkastischen Seitenhieb auf Berlioz und seine Programmsinfonik. Denn das 1917 und 1918, zur Hochzeit des dadaistischen Sturms auf die bürgerliche Hochkultur, im Auftrag einer lesbischen Prinzessin entstandene Werk bietet weder bühnentaugliche Aktion – die Texte stammen von Plato – noch knallige Klangbilder.

«Weiß» sollen die drei Teile des Ganzen («Portrait de Socrate», «Les bords de l’Ilissus», «Mort de Socrate») tönen, erklärte Satie, kühl glänzen wie Glas. Kaum mehr als einen fragilen Stützapparat hatte er für das begleitende Orchester bzw. Klavier geschrieben, sparsam gesetzte Akkordfolgen in Wiederholungsschleife, schleichende Ostinati voller hohler Quarten, Quinten und Oktaven. Platonisch verbrämte Langeweile?

Keineswegs. Jedenfalls nicht, wenn das sperrige Werk so luzide musiziert wird wie von der Sopranistin Barbara Hannigan und Reinbert de Leeuw am Flügel. Sie schaffen es, die hier gebotene nüchterne clarté mit Ausdruck zu verbinden, ohne den störrisch-spartanischen Geist der Musik zu verraten. Dynamische Kontraste ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2016
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 32
von Albrecht Thiemann

Weitere Beiträge
Seufzer und Wachsblumen

Es gibt, wie man weiß, die unterschiedlichsten Seufzer. Jene leichten, sehnsuchtsvollen, die «Schlittschuh auf nächtlichem Eis» laufen, wie Christian Morgenstern dies suggeriert. Jene anderen, tief befriedigenden. Und dann auch jene, die sich der Brust schwer entringen, weil sie einen Einschnitt bedeuten, eine Wende im Leben. Ottavia nimmt in Monteverdis...

Sog der Angst

Norma hat Angst. Was, wenn ihre verbotene Liebe zu Pollione auffliegt? Aber auch Pollione hat Angst. Die gemeinsamen Kinder sowieso, von Polliones neuer Geliebten Adalgisa ganz zu schweigen. Nadja Loschky zeigt diese Ängste in einer Pantomime zur Ouvertüre, mit klaren Gesten Bellinis Musik folgend, ebenso sensibel wie genau.

Am Ende der Ouvertüre fällt der Vorhang...

Happy End in Moll

Als Händel im Winter 1741 nach Dublin reiste, hatte er neben dem soeben vollendeten «Messias» auch die Partitur seiner vorletzten, 1740 durchgefallenen Oper «Imeneo» im Gepäck. Dass das auf einem älteren Libretto von Silvio Stampiglia beruhende Stück angesichts des gewandelten Geschmacks des Londoner Theaterpublikums nur zweimal aufgeführt wurde, verwundert bei der...