Bühnenkünstler der Zwischenräume

Den Bühnenbildner Erich Wonder verband mit dem Dramatiker Heiner Müller (1929–1995) eine fruchtbare Arbeitsbeziehung, die in spektakulären, bahnbrechenden Theateraufführungen ihren Niederschlag fand. Das zeigt die Ausstellung „Erich Wonder – T/Raumbilder für Heiner Müller“ in der Akademie der Künste Berlin noch bis zum 13. März 2022.

Bühnentechnische Rundschau - Logo

Zwei große schwarze Wände flankieren das Entree in die Ausstellung am Pariser Platz. Nur ein dreieckiger Ausschnitt öffnet sich in die Räume dahinter. Eine Art Passepartout als Begrenzung und zugleich markante Form als Statement, wie Erich Wonder sie immer wieder in seine Bühnenräume eingeschrieben hat. Nachempfunden ist diese Architektur Wonders Bühnenbild zu Heiner Müllers Revolutionsstück „Der Auftrag“, das 1982 am Schauspielhaus Bochum zur Aufführung kam.

Es war die erste Zusammenarbeit des damals 33-Jährigen mit dem Dramatiker Müller und spielte mit der Idee des Zeigens und Verbergens, eines Komprimierens von sich widersprechenden Dingen, Situationen und Ereignissen. Und nun zwingt diese Eingangssituation die Besucher zu einem klar begrenzten Sich-inden-Raum-Bewegen – und genauem Hinsehen. Denn auf den schwarzen Wandtafeln steht je ein Satz von Müller: „Erich Wonder gehört auf seinem Gebiet zu den wenigen Künstlern, die den Punkt erreicht haben, von dem an die Willkür Genie wird“. Was für eine Wertschätzung für den Künstlerfreund! Links ist mit Kreide in Müllers Originalhandschrift notiert: „Bühnenbild-Ausstellung wie Lektüre von Stücken ohne Störung durch Schauspieler“. Ein ...

Irmgard Berner ist Kulturjournalistin und Bühnenbildnerin und schreibt über Theater, Kunst und spannende Projekte rund um die Kultur.

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent der Bühnentechnischen Rundschau? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Bühnentechnische-Rundschau-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Bühnentechnische Rundschau

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

BTR Ausgabe 1 2022
Rubrik: Ausstellungen/Messen, Seite 62
von Irmgard Berner

Weitere Beiträge
Porträt Stefan Meyer

Herr Meyer, was kommt in nächster Zeit an besonderen Aufgaben auf Sie zu? 
In erster Linie die Etablierung einer Normalität. Ich glaube, nach der sehnen wir uns gerade alle in der Branche. Bei mir kommt noch das Überwinden des Neu-Seins in diesem Theater und aber auch auf dieser Position hinzu. Meine zweite große Aufgabe wird die bevorstehende...

Klarheit aus Licht und Schatten

Unter der Regie von Andrea Pfaehler und Eduardo Torres wurde die Neuinszenierung 2020 erstmals vorgestellt und 2021 überarbeitet erneut zur Aufführung gebracht. Ganze neun Stunden versetzte das Stück die Zuschauer in das Leben mit dem Schatten, die Rolle des Mephisto war dabei auf vier verschiedene Aspekte fokussiert. „In unserem ‚Faust‘ gibt es den Mephisto...

Enigmatic and revolutionary

Two large black walls flank the entrance to the exhibition on Berlin’s Pariser Platz. A triangular cut-out provides the only access to the rooms behind: A kind of passepartout, it forms both a boundary and a striking aesthetic statement, of the kind that Erich Wonder made in the stage spaces he created. It’s inspired by Wonder’s stage set for Heiner Müller’s...