Wie der Lockdown Türen öffnet

Während Franz Biberkopf in Alfred Döblins Roman „Berlin Alexanderplatz“ aus der Haft entlassen wird, stehen dem Protagonisten Can in Hakan Sava Micans Stück „Berlin Oranienplatz“ fünf Jahre Gefängnis bevor. Auch der Autor und Regisseur musste sich mit geschlossenen Türen auseinandersetzen: Nicht nur für die Figur, auch für die Produktion des Maxim Gorki Theaters in Berlin war es ein Spiel gegen die Zeit. Dafür überwand er erfolgreich Vorurteile über die Unvereinbarkeit von filmischer und theatraler Dramaturgie.

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Besonders hart trifft die Coronapandemie Kultureinrichtungen und Kulturschaffende. Doch die meisten lassen sich nicht entmutigen. Der Mythos der Magie des Augenblicks bleibt zwar lebendig, doch sind es vor allem die Videoaufzeichnungen und Livestreams, die als Sprachrohr möglich sind. Die meisten Künstler geben sich bald nicht mehr damit zufrieden, nur mit der Kamera auf das Spiel draufzuhalten; der Splitscreen reicht nicht mehr aus. Der Lockdown sperrt Theatertüren zu, eröffnet indes neue Chancen: Eine ergänzende Kunstform ist am Entstehen.

Ein Film im Theater im Film – ein faszinierendes Spiel mit visuellem Material auf mehreren Ebenen ist dem Autor und Regisseur Hakan Savaş Mican gelungen. Er inszenierte den Großstadtroman „Berlin Alexanderplatz“ am Maxim Gorki Theater in Berlin, verortete ihn aber als „Berlin Oranienplatz“ im Migrantenmilieu in Kreuzberg. Zusammen mit „Kleistpark“ und „Richardplatz“ soll daraus eine Trilogie entstehen, eine Widmung an drei Stadtteile, die den Künstler maßgeblich geprägt haben. 90 Jahre nach dem Erscheinen von Alfred Döblins Roman „Berlin Alexanderplatz“ schreibt Mican eine neue Version über das zeitgenössische Berlin und versteht es, Döblins ...

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BTR Ausgabe 1 2021
Rubrik: Produktionen, Seite 31
von Eva Maria Fischer

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