Wenn Beton auf Flachs trifft
Auf den ersten Blick wird man entführt in eine lang entfernte Vergangenheit. Haben hier Mammuts gehaust? Unter der hohen Decke hängen sechs jeweils neun Meter hohe Tapisserien, gewebt aus Flachs und Hanf. Sie haben keine Ecken und Kanten, sondern jede hat ihre eigene Form. In alle Richtungen fransen sie aus, wuchern und scheinen Eigenleben zu führen. An den Wänden Sandstein-Skulpturen, die aussehen wie Fossilien. Bei näherem Hinschauen erkennt man krallenförmige Einlassungen aus buntem Glas.
Die Betonplatten auf dem Boden deuten dann definitiv ins Heute, aber sie sind durchbrochen von kunstvoll hypernaturalistisch gestalteten Epoxid-Pfützen, als wäre dies ein seit Langem verlassener Ort, an dem schon wieder die Natur übernimmt.
Es ist beim Durchwandern der langgestreckten Halle schwer zu entscheiden, ob diese Installation ein dystopischer oder ein utopischer Raum ist. Jedenfalls entführt sie einen auf eine eigene Zeitebene. Die starke Atmosphäre wird noch verstärkt durch eine Soundinstallation, in der sich von einem Frauenchor vorgetragene folkloristische Weisen aus Mähren mit Dialogfetzen mischen, die aus dem Film „Das Tal der Bienen“ (1968) des tschechischen Regisseurs František ...
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BTR Ausgabe 4 2025
Rubrik: Ausstellungen, Seite 64
von Sophie Diesselhorst
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