Welttheater der Vampire

Mit viel Kunst- und noch mehr Herzblut entwickelte Jan-Christoph Gockel zusammen mit seinem Team an den Münchner Kammerspielen die vielschichtige Vampirkomödie „Oh Schreck!“ mit Schau- und Puppenspiel zu Live-Pianomusik. Das Bühnenbild wird von einem dreh- und fahrbaren Spiegel dominiert: Auf der Vorderseite als Projektionsfläche für Live-Zeichnung und Videos, auf der Rückseite als fiktive Hinterbühne

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Was für ein Wow-Auftritt für „Walther von der Hess“ mit schlohweißer Walleperücke, in bodenlangem, schwarz-weiß gemustertem Brokatmantel über dem Spitzenhemd, kreiert von der Kostümbildnerin Sophie du Vinage: Divenhaft betritt er die Bühne und hat das Publikum von der Rampe aus fest im Visier. Als der erfahrenste Schauspieler an den Münchner Kammerspielen ist er entschlossen, in seiner Abschiedsrolle als Graf Orlok in „Nosferatu“ zu brillieren.

Wie „fantasielos“, so findet er, dass ausgerechnet Max Schreck, der Protagonist des Stummfilms, erneut als diese Vampirfigur besetzt werden soll! In seinem Einführungsmonolog verrät er Schauderhaftes: Seit Jahrzenten bestehe das Ensemble aus Untoten, und er tarne sich geschickt als Mensch unter den Vampiren. Trotz Vitamin-D-Mangels schlafe er in seinem Steinsarg, trage eine Zahnprothese, gleichwohl die Bühnensprache leide – kein Wunder also, dass die Kritik vom „blutleeren Theater“ schreibe! Darsteller Walter Hess, Jahrgang 1939 und seit 2002 an den Münchner Kammerspielen fest engagiert, kann den Zuschauer:innen im Saal ein Raunen entlocken. Auf dem circa neun Meter breiten und fünf Meter hohen Spiegel im Goldrahmen hinter ihm erscheint der ...

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BTR Sonderband 2025
Rubrik: Produktionen und Potenziale, Seite 66
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