Passion mit Tradition
Eben noch sind die Massen aus dem Passionstheater gequollen, nur ein halbes Stündchen später ist’s fast, als wäre nichts gewesen, und Abendruhe kehrt in dem oberbayerischen 5500-Seelen-Örtchen ein. Zwei Teenager sind noch auf ihren Fahrrädern unterwegs, als sie uns als Passionsspielgäste ausgemacht haben, halten sie an: ob wir noch weitere Fragen hätten, sie würden sie gerne beantworten. Stolz erzählen sie, beide 15-jährig, von ihren zweiten Passionsspielen, bei denen sie als „Volks“-Darsteller mitgewirkt haben.
In ihrer Lieblingsszene, der „Empörung“, stehen 300 Darsteller:innen auf der Passionsspielbühne und spielen vorm römischen Richter Pontius Pilatus die Unterstützer:innen und (gekauften) Gegner:innen Jesu Christi. Fast alle diese Darsteller:innen sind in Oberammergau geboren oder leben hier seit 20 Jahren, erst dann hat man das „Mitwirkungsrecht“ an den Passionsspielen, die hier seit 1633 alle zehn Jahre stattfinden – mit ein paar Ausnahmen und Verschiebungen. Und auch das Mitwirkungsrecht wird heute nicht mehr ganz so streng gehandhabt wie einstmals, unter anderem pandemiebedingt.
Der Zweifel hält Einzug
Eine Seuche war es auch, die die Tradition mitten im 30-jährigen ...
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BTR 5 2022
Rubrik: Produktionen, Seite 28
von Sophie Diesselhorst
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