Kulturelles Highlight in Bergamo

Die Arbeiten zur Restaurierung und Erweiterung des historischen Teatro Donizetti in Bergamo wurden Ende vergangenen Jahres abgeschlossen – obwohl die norditalienische Stadt besonders stark von der Coronapandemie getroffen wurde und einem harten Lockdown unterworfen war. Jetzt hoffen alle auf die baldige Wiedereröffnung des architektonischen Juwels, das sich in neuem Glanz und mit erweiterten Funktionen präsentiert.

Im Herbst 2019 hatte das Teatro Donizetti sein Sanierungsprojekt auf dem Kongress von Opera Europa in Straßburg und Karlsruhe erstmals einem internationalen Publikum vorgestellt. Das Haus ist eines von gut 30 „Teatri di Tradizione“ in Italien, die in einem Verbund zusammengeschlossen sind. Es wird von der Fondazione Teatro Donizetti betrieben und von einer öffentlichen Stiftung, vom Kulturministerium, der Stadt, der Region sowie zahlreichen privaten Sponsoren finanziert.

Wie in Italien üblich, verfügt auch das Teatro Donizetti über kein festes Künstler-Ensemble, sondern stellt für die jeweiligen Produktionen – allen voran das alljährlich stattfindende Donizetti-Festival – ein Ensemble aus Sängern, Chor und Orchester zusammen. Die Stiftung des Teatro Donizetti organisiert neben dem jährlich stattfindenden Festival auch Theateraufführungen sowie ein bedeutendes Jazz-Festival. Zudem finden im Theater kleinere Aufführungen und zahlreiche Aktivitäten für Schüler statt. Das Theater wurde um 1800 innerhalb weniger Jahre erbaut, nachdem sein Vorgängerbau niedergebrannt war. Der Architekt, Giovanni Francesco Lucchini, war über Bergamo hinaus bekannt. Im Laufe der Jahrhunderte erfuhr das ...

Warum sind die Baukosten in Italien so viel niedriger als in Deutschland?
Der Akustikspezialist Jürgen Reinhold von der Firma Müller-BBM hat die Sanierung des Teatro Donizetti von Anfang an betreut. Da er seit über 30 Jahren mit Schwerpunkt in Italien arbeitet, hat er viel Erfahrung im Planen und Bauen von historischen wie auch neuen italienischen Kulturstätten. Ein Aspekt, der ihm dabei generell auffällt, sind die relativ geringen Baukosten: „Die Baukosten in Italien waren schon immer deutlich geringer als in Deutschland, in den vergangenen fünf Jahren sind sie allerdings noch weiter gesunken. Für mich ergibt sich eine Faustregel, die nachdenklich stimmt: Die Baukosten für Kulturbauten in Italien liegen bei Sanierungen wie auch bei Neubauten in aller Regel unter den Planungskosten, die bei uns in Deutschland abgerechnet werden können. Im Umkehrschluss bedeutet dies: Theatersanierungen kosten bei uns in Deutschland mindestens das Fünf-, häufig weit über das Zehnfache im Vergleich zu Italien. Ein Beispiel: Ohne den baulichen Umfang im Detail zu kennen, könnte man die Sanierung des Stadttheaters Augsburg mit 945 Plätzen mit den Arbeiten beim Teatro Donizetti ansatzweise vergleichen. In Augsburg werden zwischenzeitlich Sanierungskosten von 321 Millionen Euro diskutiert, in Bergamo hingegen wurden netto lediglich knapp 21 Millionen Euro ausgegeben. Zweifelsohne sind die in Italien verfügbaren finanziellen Mittel häufig zu knapp. Wie sich allerdings derartige Kostendiskrepanzen zwischen dem Süden und dem Norden Europas ergeben, sollten Experten für Baukosten durchaus einmal beleuchten. Denn: Restaurierungen erfolgen in Italien auf höchstem professionellem Niveau. Entsprechend werden in historisch bedeutenden Bereichen wie Theatersaal, Foyer oder bei der Fassade keinerlei Kompromisse eingegangen. Dass die Bühnenmaschinerie schon mal etwas einfacher ausfällt, tut den hervorragenden Produktionen der italienischen Häuser keinen Abbruch – falls nötig, wird auf der Bühne flexibel agiert, zweifelsohne eine große Stärke der Italiener. In untergeordneten Zonen wird dann schon mal der ‚Fiat 500‘ verbaut – denn muss es überall ein ‚Ferrari’ sein? Ob dies allein allerdings den so extrem hohen Kostenunterschied begründet, ist fraglich.“ ...

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BTR Sonderband 2021
Rubrik: Bau/Betrieb, Seite 46
von Karin Winkelsesser

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