Elf plus eins
Dieser Bilderstrom ist eine permanente Überwältigung, ein irrer Sog, ein Labyrinth, in dem man sich verlieren kann. Dynamisch und in hohem Tempo ergießt er sich in der Romanadaption „RCE“ am Berliner Ensemble auf Daniel Roskamps Bühnenkonstruktion.
Wie mit Buntstift schraffierte Farbnetze auf schwarzem Grund zum Auftakt, sich in verschiedenen Graustufen gegeneinander verschiebende Bienenwaben als Grundmotiv, KI-generierte, immer neu wuchernde Szenen aus der Tech- und Arbeitswelt, Landschaften aus Datenströmen oder wie unter Schmerzen gekräuselte Babystirnen, zerborstene Menschenarme und Hundewelpen, sich in Horrorschreie verzerrende Wutmünder. Mal fotorealistisch gemalt, dann wie im Manga stilisiert, um sich wieder in abstrakte Muster zu verwandeln. Dazwischen schauen Hacker:innen grimmig unter Kapuzen hervor, preisen Influencerinnen die neue Kommunikations-App RCE an, turnt ein niedlicher pinkfarbener Troll-Bär durchs Bild. Oder es erklingt die dunkel verzerrte Stimme Gottes, der allmächtigen Autorin, visualisiert durch eine rote Soundfrequenzlinie vor schwarzem Hintergrund. Während Sibylle Bergs Roman die nahe Zukunft in den düstersten Farben ausmalt, konzentriert sich die ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent der Bühnentechnischen Rundschau? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Bühnentechnische-Rundschau-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Bühnentechnische Rundschau
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
BTR Ausgabe 5 2024
Rubrik: Produktionen, Seite 34
von Eva Behrendt
In einem Stadttheater kommt das Publikum ins Haus. Anders bei der Wanderbühne, hier fährt die Bühne direkt zu den Menschen, für die sie spielt, sucht sich einen Dorfplatz und zeigt ihr Stück. So auch die Freie Bühne Wendland, die seit 2021 mit „Moby Dick“ (BTR 4/2024) durch Deutschland bis nach Frankreich reist, um Melvilles Geschichte um die Besatzung des...
Ein Bombentreffer zum Kriegsende zerstörte das ursprüngliche Gebäude in den Mannheimer Quadraten vollständig, 1957 wurde nach einem europaweiten Architektenwettbewerb an anderer Stelle ein stadtbildprägendes Theatergebäude eröffnet. Dieses Spielhaus am Goetheplatz zählte seinerzeit zu den modernsten Theaterhäusern der Welt. Nicht ohne Grund gewann im selben Jahr...
Das Jubiläum wurde von einem kleinen Team rund um Christoph Werner, Intendant des Puppentheaters Halle, über dreieinhalb Jahre vorbereitet. Dabei stand neben den künstlerischen Aspekten besonders die Finanzierbarkeit im Vordergrund. Unterschiedliche, meist französische Straßentheatergruppen wurden zu Besichtigungen und Gesprächen nach Halle eingeladen. Über die...
