Ein Stück, viele Perspektiven

Im Zentrum von Shakespeares „Romeo und Julia“ am Residenztheater in München steht eine flexible Bühnenkonstruktion für ein dynamisches Spiel des Ensembles. Der Entstehungsprozess des Stücks wurde für die Ausstellung „making THEATRE“ am Deutschen Theatermuseum München von einem Kamerateam und einer Comic-Zeichnerin begleitet: Ein Blick auf die Bühne, zu den detaillierten Abläufen hinter den Kulissen und in die daraus realisierte Ausstellung

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Romeo und Julia, das wohl berühmteste Liebespaar der Weltliteratur: Viele Zitate aus dem Drama von William Shakespeare sind sprichwörtlich geworden, die Balkonszene ist ikonisch: Wie wird sie nun am Residenztheater in München gelöst? Fünf Kilometer weiß lackiertes Vierkant-Stahlrohr, in Präzisionsarbeit verarbeitet zu einer fast zehn Tonnen schweren, motorisierten Konstruktion, die fast die ganze Bühnenbreite einnimmt, bilden einen beeindruckenden Koloss, der trotzdem filigran wirkt wie eine gotische Kathedrale.

Ein quaderförmiges Gerüst auf einer Drehbühne, das gleich einer Mauer die verfeindeten Familien der Montagues und Capulets trennt, sich in der Mitte teilt, in halbkreisförmige Treppen auffächert und Plateaus, Gänge, Leitern, Lauben und den unvermeidlichen, hier stark stilisierten Balkon hervorbringen kann. Barrikaden und Ballsaal, Kirche und Hexenküche, Gräben und Gruft: Das faszinierende Spiel von Distanz und Nähe, von Liebe im Krieg, wird in diesem Käfig der Emotionen noch durch die intensive, körperbetonte Darstellung der Figuren zu einer perfekten Einheit. Das Bühnenbild agiert auf diese virtuose Weise wie in einer Choreografie, wo auf mehreren Ebenen nach Herzenslust ...

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BTR Ausgabe 6 2025
Rubrik: Ausstellungen, Seite 63
von Eva Maria Fischer

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