Ein Fortschritt, der keiner ist

Der „CO2-Kulturstandard 2025“, herausgegeben vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst (BW) und dem Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM), soll den Einstieg in eine klimagerechte Transformation des Kulturbetriebs erleichtern. Stattdessen liefert er nach Ansicht des Autors vor allem „Verwaltungslyrik in Tabellenform“. Sein Kommentar „zur sprachlichen Selbstvergewisserung ohne Wirkung – und zu einem Verfahren, das die Praxis ausgeklammert hat“

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Mit großem Anspruch wurde der spartenübergreifende „CO2-Kulturstandard“ weiterentwickelt (Beteiligte siehe Kasten rechts unten). Die Expertengruppe, eingesetzt von Bund und Ländern, sollte eine möglichst einheitliche, fachlich belastbare und umsetzbare Grundlage schaffen, mit der Kultureinrichtungen ihren Beitrag zur Emissionsreduktion sichtbar machen können. Das vorliegende Ergebnispapier liest sich auf den ersten Blick wie ein Meilenstein: Rückmeldungen aus einer bundesweiten Umfrage, Anregungen von Experten, Diskussionen zur GHG-Protokoll-Konformität (Anm. d. Red.

: GHG = Greenhouse Gas Protocol, dt. „Treibhausgasprotokoll“), Mobilitätskategorien und Reportingpflichten. Doch wer genauer hinsieht, erkennt: Es wurde mehr Sprache produziert als Veränderung ermöglicht. Der Standard wirkt wie ein Dokument, das sich selbst genügt.

Beamtendeutsch statt Betriebshandbuch
Die Sprache des Standards spiegelt seinen Charakter: technisch neutralisiert, formalisiert und bürokratisch verschachtelt. Begriffe wie „verpflichtende Kann-Angabe“, „empfohlene systemische Ergänzung“ oder „Bilanzierungsdimension“ zeugen von besonderem „Sprachwitz“ und nicht von einer Lust an Handlung. Das ist reine ...

Der „CO2-Kulturstandard“
Im „Kulturpolitischen Spitzengespräch“ wurde am 11. Oktober 2023 von Bund, Ländern und Kommunen ein gemeinsamer CO2-Bilanzierungstandard für den Kulturbereich, der „CO2-Kulturstandard“, verabschiedet. Begleitend dazu wurde der „CO2-Kulturrechner“ (aktualisiert bzw. Abschluss im August 2025) sowie die zugehörige Anleitung zum „CO2-Kulturrechner“ veröffentlicht. Unter Federführung des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg gemeinsam mit der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien wurde das Regelwerk erstellt: Eine Expertengruppe hat hierfür einen Vorschlag für bundesweit spartenübergreifende Standards bei der Treibhausgasbilanzierung erarbeitet. Mitglieder in dieser Expertengruppe waren unter anderem Vertreterinnen und Vertreter des Deutschen Bühnenvereins, des Deutschen Museumsbunds, der Deutschen Orchestervereinigung, des Deutschen Bibliotheksverbands, des Verbands deutscher Archivarinnen und Archivare und des Bundesverbands Soziokultur. Expertise hinsichtlich der Treibhausgasbilanzierung floss durch Akteure wie der Klimaschutzstiftung Baden-Württemberg, der Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg und dem Umweltbundesamt ein. Die fachliche Begleitung erfolgte durch KlimAktiv gGmbH aus Tübingen, die bereits den unter der Federführung Baden-Württembergs entwickelten und bundesweit genutzten „Green Shooting“-CO2-Rechner entwickelt hat, sowie Jacob Bilabel, Thema1 GmbH, der auch das Aktionsnetzwerk Kultur und Medien betreut. ...

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BTR Ausgabe 2 2026
Rubrik: Sanierung, Bau, Betrieb, Seite 52
von Wesko Rohde

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