Der Himmel voller Blei

„Das große Heft“ nach dem gleichnamigen Text von Ágota Kristóf ist derzeit an den Schauspielhäusern in Hamburg und Bochum zu sehen. Die Regisseurin Jette Steckel hat in Bochum einen besonderen Fokus auf die Zusammenarbeit mit dem Lichtdesigner Bernd Felder gesetzt. Eine Konstruktion aus 300 Stahlrohren wird zum stählernen, drückenden Himmel und Klangobjekt

Bühnentechnische Rundschau - Logo

Das große Heft“ ist der erste Teil einer Trilogie der ungarisch-schweizerischen Autorin Ágota Kristóf (1935–2011). Es erschien 1986 im Pariser Verlag Éditions du Seuil unter dem Titel „Le grand cahier“ und 1987 in der deutschen Übersetzung von Eva Moldenhauer im Rotbuch Verlag Berlin. Der Text thematisiert Krieg und emotionale Verrohung, Missbrauch und Gewalt, Strafe und Fehlverhalten. Eine Mutter bringt ihre Söhne, ein Zwillingsbrüderpaar, zur Großmutter aufs Land, um sie vor der Kriegsbedrohung in der Stadt zu schützen.

Aber auch jenseits der Stadt sind die Zwillingskinder einer erbarmungslosen Umwelt ausgesetzt. Die Großmutter beutet ihre Arbeitskraft aus und bestraft willkürlich, die Magd des Pfarrers missbraucht sie im Waschzuber, der Priester vergewaltigt das Nachbarskind, den Hungernden wird der angebotene Apfel schadenfroh entzogen und die Mutter wird im Garten von einer Granate getötet. Die Jungen entwickeln eine Strategie der Abhärtung, sie hungern, schlagen sich, wiederholen liebevolle Mutterworte so lange bis sie ihre Bedeutung verlieren und notieren alles in „Das große Heft“. Sie setzen es sich als Aufgabe, ausschließlich Tatsachen zu beschreiben. Für Zwischentöne, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent der Bühnentechnischen Rundschau? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Bühnentechnische-Rundschau-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Bühnentechnische Rundschau

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

BTR Ausgabe 2 2026
Rubrik: Produktionen, Seite 20
von Antje Grajetzky

Weitere Beiträge
Nachgefragt: Karo Krämer

BTR: Karo Krämer, was hat Sie zum Theater gebracht?
Karo Krämer: Der Zufall. Mit 14 wollte ich eigentlich Fußball spielen, aber ich habe mich in dem Verein nicht wohlgefühlt. Dann hat mich meine ehemalige Horterzieherin, die zu der Zeit eine Ausbildung zur Theaterpädagogin machte, gefragt, ob ich in ihrem Jugendclub dabei sein will, und da bin ich geblieben. Mit...

Testergebnisse als nützliche Grundlage

Die ersten Forschungen und Erkenntnisse über Reibung reichen lange zurück. Bereits Leonardo da Vinci beschäftigte sich mit Reibversuchen, denen die heutigen Reibwertmessungen gar nicht so unähnlich sind. Erste Grundlagen der Tribologie, also der Wissenschaft von Reibung, Schmierung und Verschleiß, wurden bereits früh geschaffen. Während in vielen technischen...

„Spiel an einem fernen, abstrakten Ort“

Ein Opernabend in Potsdam unter einem Sternenhimmel, und das im Februar! Dieses winterliche Vergnügen hatte das Publikum – über ihm das Sternendekor am Dach der Friedenskirche – einer Schließung zu verdanken. Denn das Neue Palais wird momentan modernisiert, daher konnte das dort ansässige Schlosstheater (BTR 6/2021) nicht als Spielstätte für die Winteroper...