Das Licht definiert den Raum
Der Geizige, Harpagon, steht allein im Lichtkegel über seine Geldkassette gebeugt, dann ein Geräusch. Hastig schlägt er die Geldkassette zu, verschwindet damit im Dunkel des Bühnenraums. Jemand folgt ihm schnell über die leere Bühne. Wie von Hand skizziert formen sich plötzlich aus diesem Dunkel – nach oben und zur Seite, Meter um Meter – vier blau leuchtende Linien zu einem bühnenraumfüllenden, quer liegenden Rechteck. Das sich dann zu verschieben scheint, perspektivisch aufweitet zu einer zweiten Kontur.
Die schwarzen Flächen zwischen den blauen Linien assoziiert man schnell als Wände, diese Perspektive ergibt ein überdimensionales Zimmer. Allein der Bühnenboden ist als eine feste, räumliche Konstante zu sehen. Durch ihn schieben sich, wie ein letztes fehlendes Puzzleteil noch zwei, auf einem Bett sitzende, Figuren von unten in das leere Raumgerüst. Das Bild ist komplett. Das Spiel kann beginnen. Im Laufe des Stücks setzt sich dieser „skizzierte“ Raum immer wieder in Bewegung, er ist quasi elastisch – seine Linien werden länger oder kürzer, Wände verschieben sich, ein ausgiebiges Spiel mit Perspektiven ist zu sehen. Türen verschwinden oder tauchen im Dunkel auf, sie wandern, ...
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BTR Ausgabe 3 2021
Rubrik: Produktionen, Seite 16
von Iris Abel
Was vor einem Jahr undenkbar schien, gilt nunmehr als neue Normalität – ein komplettes Jahr online. Lehre online, Übungen online, Klausuren online. In einem Kraftakt musste im April 2020, mit Beginn des Sommersemesters, die Lehre in kürzester Zeit von einem Präsenzbetrieb in alternative Online-Lehrformate umgewandelt werden. Das ist eine eher schmeichlerische...
Vorschau
Hildesheim: „Monty Python’s Spamalot“
Mit dem heiteren Musical „Spamalot“ kehrte das Theater Hildesheim Ende Mai wieder vor sein Publikum zurück, vorerst auf der grünen Wiese. Das Stück sei durch „liebevolles Fleddern“ des Monty Python Films „Die Ritter der Kokosnuss“ entstanden, kündigte das Theater an. Vor allem die kurze Produktionszeit und die...
Es zirpen die Vögel an diesem schönen Frühlingstag, der Straßenlärm erreicht mich nur gedämpft. Ich sitze auf einer Bank auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof in Berlin-Mitte. Illustre Namen stehen hier auf den Grabsteinen, der Philosoph Georg Wilhelm Friedrich Hegel zum Beispiel, aber vor allem die gesamte Prominenz der reichen Theatergeschichte der DDR,...
