Zum Boden, zum Himmel, ins Lichte
I
Adelheid Duvanel: Fern von hier
Ich lese gierig, mir tropfen die Seiten ölig aus dem Mund, die Worte, einstmals behutsam gesetzt, fallen durcheinander in den Rachen.
Da war/ist etwas groß, irrlichternd und doch zielstrebig. Da war/ist etwas wissend, malmend, doch suchend. Da saß ein Tier mit einem starken Kiefer und blickte seinen Lesenden entgegen, ein Tier mit einem starken Kiefer, welches seine Figuren nicht totbiss, eher frei zu beissen schien.
Liebevoll, aber niemals bevormundend den beschriebenen Zuund Umständen eine Sprache anheimstellend, die sie schillernd schützte, sanft exponierte, in mir explodierte.
So ahnte ich nicht mehr, in welche Richtung ich weiterwachsen sollte: Zum Boden oder zum Himmel, ins Lichte, die Lücke im Licht oder ins Dunkel, ins Erdreich, kühlend und dicht, schützt, gestreng und verborgen, gehört den Würmern, die andere Augen als diese sehenden hier haben, sie haben fühlende dergleichen.
AUS VERÄNDERUNGEN WERDEN VERSCHIEBUNGEN, DIE GLEICHSAM OHNE UNSER ZUTUN GESCHEHEN; WAHRNEHMUNG, SACHTE, WAHRHAFTE WAHRNEHMUNG IST HIER VIELLEICHT DAS MITTEL, WELCHES EI-NEN AUFZURICHTEN VERMAG.
Hinnehmend, am Rande verzweifelnd kippen die Umstände vom ...
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Theater heute August/September 2022
Rubrik: Lektüresommer, Seite 48
von Katja Brunner
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