Zeiten der anderen Wirklichkeit

Alle acht Lwiwer Theater hatten in den ersten Kriegstagen ihre Bühnen, Werkstätten und Keller für Geflüchtete geöffnet. Aber braucht es nicht doch Kunst, gerade jetzt? Die Antwort fällt eindeutig aus. Eine Reportage

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Putins Tod dauert ungefähr 20 Minuten. Der russische Machthaber wird vergiftet, erschlagen, erwürgt, ersäuft, erschossen. Auf den grotesken, irrwitzig gespielten Todeskampf folgt sanfte Musik. Dann tosender Applaus im vollen Saal des Teatr Lesi, am Rande der Lwiwer Innenstadt. «Wie ich den Krieg getroffen und Putin fast getötet habe» ist ein Gastspiel dreier Schauspieler aus den Kriegsgebieten im Osten, die ihre Heimat verlassen mussten. «Ich fühle mich wahnsinnig müde vor Vergnügen», sagt Regisseur Artem Vusyk direkt nach der vorläufig letzten Aufführung.

Das Stück ist autobiografisch: Vusyk floh am ersten Kriegstag von Charkiw nach Lwiw. Sascha Shai, der Putin spielt, kam aus Kiew. Im Zentrum steht die Innenwelt des Protagonisten, der Putin mit dem tödlichen Fluch belegt. In den ruhigen Momenten reflektiert er über die falsche neue Normalität im wunderschönen Lwiw, wo der Krieg so weit entfernt scheint. Gerade diese Zwischentöne sind es, die dieses ansonsten eher an Quentin Tarantino erinnernde Stück so besonders machen. 

Die westukrainische Metropole Lwiw (Lemberg) ist stark von ihren acht Theaterhäusern geprägt. Zu Kriegsbeginn kamen Hunderttausende Geflüchtete in die Stadt, ...

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Theater heute Februar 2023
Rubrik: International, Seite 42
von Florian Bayer

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