Platzende Blasen

Die 35. euro-scene in Leipzig zeigt viel Tanz und wenig Theater. Ein Performancekünstler nimmt da vorsichtshalber schon mal seinen Hut – und legt die Maske ab

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Es ist ein denkwürdiger Auftritt, den der südafrikanische Performance-Künstler Steven Cohen bei der 35. euro-scene in Leipzig hinlegt. Vor zwei Jahren war er schon einmal zu Gast in Leipzig, sein Auftritt im Schauspielhaus (mit «Put your heart under your feet ... and walk!») sorgte damals für Ohnmachtsanfälle, und seine kleinen Werke «Sphincterography» und «Deface» entpuppten sich als eine Art Lecture-Performance über sein künstlerisches Leben. Genau hier knüpft er mit «People Will People You» erneut an.

Der Anfang ist wie immer bei ihm visuell beachtlich.

Auf hohen Schuhkonstruktionen, grell geschminkt mit Glitter und Schmetterlingen und einem stützenden Stock betritt er zu einer weiblichen Version von Queens «Bo -hemian Rhapsody» die Bühne in der Schaubühne Lindenfels: zerbrechlicher Glamrock für einen fragilen Künstler. Kaum ist der Song ausgehaucht, zündet er ein Feuerwerk auf seinem Helm. Nach drei Minuten ist der visuelle Höhepunkt des Abends erreicht. Es folgt ein 70minütiges fließendes Requiem des 63jährigen Südafrikaners, doch diesmal nicht auf seinen verstorbenen Liebhaber oder seine Mutter wie in vorherigen Arbeiten, sondern ein Requiem auf sich selbst. Steven Cohen ...

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Theater heute Januar 2026
Rubrik: Magazin, Seite 69
von Torben Ibs

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