Entwurf Büro Burger Rudacs
Neubau für die John-Cranko-Schule
Visionen sind toll. Doch irgendwann müssen sie konkrete Form annehmen. John Cranko, Direktor des Stuttgarter Balletts, wusste das wie kein anderer und verkämpfte sich zäh für eine eigene Ballettschule: Nur mit einer eigenen Ausbildungsstätte ließ sich der Traum von einer unverwechselbaren Kompanie realisieren. So wurde die 1971 von ihm gegründete Schule in Westdeutschland die erste ihrer Art, die eine Tänzerausbildung bis zum staatlichen Diplom ermöglichte: Ein Ort der Hoffnungen, der Koryphäen wie Uwe Scholz oder Friedemann Vogel hervorgebracht hat.
Heute zählt die Schule zu den begehrtesten Talentschmieden der Ballettwelt, doch das alte Gebäude kann nicht mehr mithalten. Und weil auch das Stuttgarter Ballett unter miserablen Bedingungen arbeitet, hat sich der Intendant Reid Anderson wie sein Vorgänger verkämpft und mit Hilfe der Finanzspritze eines Sponsors ungläubige Politiker davon überzeugen können, dass Schule und Kompanie neue, ihrer Arbeit angemessene Räume brauchen.
Jetzt wächst an prominenter Stelle der Stadt tatsächlich ein Ballettzentrum: Geplant vom Münchner Architekturbüro Burger Rudacs beherbergt der größte Gebäuderiegel das Internat der Schule, wo 70 Schüler unterkommen werden; acht Ballettsäle und eine Probebühne, die auch das Stuttgarter Ballett nutzen wird, ziehen sich in staffelartig angeordneten Kuben den Hang hinab. Schon vor dem anvisierten Umzug der 150 Ballettschüler zum Schuljahr 2018/19 ist dieser Bau ein deutlich sichtbares Versprechen an die Zukunft und das klare, in Beton gegossene Bekenntnis der Stadt: Weltoffenheit und das Vertrauen in kommende (Tanz-)Generationen sind hier nicht mehr nur Vision.
Tanz Jahrbuch 2017
Rubrik: Hoffnungsträger, Seite 170
von Andrea Kachelrieß
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