Nackte Ambiguitäten

Frank Wedekind «Lulu» im Staatsschauspiel Dresden

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Lulu ist nackt. Natürlich. Seit Peter Zadek die Schauspielerin Susanne Lothar die Naturgewalt in der Lulu-Gestalt hat suchen lassen, ist das immer eine Option. Auf eine solche Suche begibt sich auch Daniela Löffner in ihrer Version von «Lulu» am Staatsschauspiel Dresden. Denn diese Figur ist ja schwer zu greifen. Zwischen intrigantem Lolita-Vamp und naiver Naturerscheinung ist vieles möglich und das Nackte immer eine Option. Für die entscheidet sich auch Löffler und fällt noch eine weitere wichtige: Lulu wird gespielt von einem Mann.

Simon Werdelis darf vor der meterhohen Spiegelwand, die Claudia Kalinski auf den Abschluss der Vorderbühne gestellt hat, den dreistündigen Tanz in den Vulkan wagen und macht dies mit Bravour und Verve. Und eben nackt. Doch das braucht mystische Vorbereitung. Am Anfang suhlt Werdelis sich lustvoll in schwarzer Farbe, während der Spiegel der Wahrheit von seinen sieben nackten Mitstreitern mit großen Malerrollen zugetüncht wird – dieser Männertraum ist ein reines Männerstück. Werdelis wird zur zitternden Lulu-Kreatur, die mit ihrem natürlichen Charisma ganz ohne Wollen, aber auch ohne Rücksicht, die Männer zu ihren Füßen fallen lässt.

Dabei spielt ...

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Theater heute Dezember 2023
Rubrik: Chronik, Seite 56
von Torben Ibs

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