Nackte Ambiguitäten
Lulu ist nackt. Natürlich. Seit Peter Zadek die Schauspielerin Susanne Lothar die Naturgewalt in der Lulu-Gestalt hat suchen lassen, ist das immer eine Option. Auf eine solche Suche begibt sich auch Daniela Löffner in ihrer Version von «Lulu» am Staatsschauspiel Dresden. Denn diese Figur ist ja schwer zu greifen. Zwischen intrigantem Lolita-Vamp und naiver Naturerscheinung ist vieles möglich und das Nackte immer eine Option. Für die entscheidet sich auch Löffler und fällt noch eine weitere wichtige: Lulu wird gespielt von einem Mann.
Simon Werdelis darf vor der meterhohen Spiegelwand, die Claudia Kalinski auf den Abschluss der Vorderbühne gestellt hat, den dreistündigen Tanz in den Vulkan wagen und macht dies mit Bravour und Verve. Und eben nackt. Doch das braucht mystische Vorbereitung. Am Anfang suhlt Werdelis sich lustvoll in schwarzer Farbe, während der Spiegel der Wahrheit von seinen sieben nackten Mitstreitern mit großen Malerrollen zugetüncht wird – dieser Männertraum ist ein reines Männerstück. Werdelis wird zur zitternden Lulu-Kreatur, die mit ihrem natürlichen Charisma ganz ohne Wollen, aber auch ohne Rücksicht, die Männer zu ihren Füßen fallen lässt.
Dabei spielt ...
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Theater heute Dezember 2023
Rubrik: Chronik, Seite 56
von Torben Ibs
AACHEN, THEATER
2. Grosch und Kemp, Vom Fischer und seiner Frau
R. Katharina Grosch
8. Gudarzi, Die Burg der Assassinen (U)
R. Florian Fischer
AALEN, THEATER DER STADT
9. Kleist, Michael Kohlhaas
R. Jonathan Giele
ANNABERG-BUCHHOLZ, EDUARD VON WINTERSTEIN THEATER (ETO)
9. Hirsch, Der Fürst von Pappenheim
R. Christian von Götz
19. Andersen, Die Schneekönigin
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Ich wünschte, Metin, man könnte Erinnerungen einfangen. Wie Insekten, die ein Eigenleben haben, einen eingebauten Instinkt, der sie leitet.» Arda, Protagonist von «Vatermal» und lebensbedrohlich erkrankter Literaturstudent, hat im Krankenhaus plötzlich Zeit und Druck, sich zu erinnern. Auch Mutter Ümran und Schwester Aylin, die sich am Krankenbett sorgfältig...
Nur langsam lichten sich die Nebel an diesem Klostermorgen, blechern dröhnt ein amerikanischer Popsong von irgendwoher. Bühnenbildner Wolfgang Menardi hat eine steril glänzende riesige Halle geschaffen, nur ein paar sakrale Fragmente weisen auf ein Kloster hin: hängende Holzbalken, Ikonenbilder, brennende Kerzen, eine Glocke. Und seltsam riesige dunkle Kugeln, die...
