Lache, Bajazzo, lache!
Das namenlose Ich in Caroline Peters Debütroman «Ein anderes Leben» steht am Grab des Vaters, als die «weggesperrte» Erinnerung an ihre vor etlichen Jahren verstorbene Mutter sie überfällt.
Wer war Hanna? Die Frau, die in den 1960er, 70er Jahren nacheinander ihre drei Heidelberger Studienkollegen heiratete? Die mit jedem eine Tochter bekommt und beim letzten, dem Architekten Peter, den alle Bow nennen, hängenbleibt? Im Kölner «Architekten-Haus» mit «amerikanischer Küche» ist kein Zimmer für sie allein vorgesehen, sie versinkt im bürgerlichen Rotary-Leben der «cremefarbenen Gattin».
Aber Hanna passt nicht ins Hausfrauenbild der Nachkriegsjahre, sie ist «aushäusig, nicht inhäusig». Die sprachwütige Poesieliebhaberin lacht jahrelang den Kummer über das ungelebte Dichterleben weg, trinkt morgens im Bett Champagner und sortiert ihr Leben in eine Routinesprache, die wie «gepolsterte Türen vor geheimen Kammern» steht: «So ist das Leben», «Schockschwerenot», «Lache, Bajazzo, lache!». Damit kommt sie durch den Alltag. Bis der schwarze Hund, die Depression, nicht mehr zu verscheuchen ist, die Mutter tagelang nicht aus dem Bett kommt.
Im getriggerten Roman-Ich, das man vielleicht auch ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Dezember 2024
Rubrik: Bücher, Seite 34
von Barbara Burckhardt
Prolog inklusive, sind 77 Stückchen Welt und Wahn zu entdecken im schriftstellerischen Debüt von Veit Sprenger, der 1997 das Per -formance-Kollektiv «Showcase Beat Le Mot» mitbegründet hat und bis heute unterwegs ist mit dem Ensemble. 77 tatsächliche Welten sind versammelt, weil Sprengers Kurz- und Kürzest-Geschichten durchweg in irgendeiner Art von Realität...
Eine Künstlerin allein in der Wüste, eine Mutter im Multitasking-Kollaps mit Happening-Happy-End, ein Mann mit der ganzen Last seiner Kindheit auf den Schultern – drei starke Einzelkämpferpositionen auf der 8. Ausgabe des Rodeo-Festivals für Tanz, Theater und Performance, die im vergangenen Oktober an verschiedenen Spielorten in München Zeichen setzte für...
Einfach nur «glücklich und bedeutsam sein», meint Sie. Darauf Er: «Das wollen wir alle.» Allerdings. Aber die hehren Wünsche fügen sich nicht so einfach in zwei Zimmer auf 50 Quadratmetern «mit Klicklaminat und Linoleum -boden in der Küche, und jeder Schritt macht so ein schreckliches Plastikgeräusch». Damit ist bei Weitem noch nicht das ganze Problemfeld...
