Kollektiver Sisyphos
Letztlich waren es dann doch nicht die spektakulären Bilder von Florentina Holzinger als lebendig-nacktem Glocken-Klöppel vor düsteren Wolken in Venedigs malerischer Lagune, die Instagram die größten Wellen in den Feed spülten. Sondern jene des Protests, den die russischen Dissident:innen von Pussy Riot und die ukrainischen Kunstaktivistinnen von Femen vor dem russischen Pavillon inszenierten. Der rosa Rauch war auch von Holzingers ziemlich exklusiver Zuschauerplattform aus zu sehen – FOMO hier wie dort, neudeutsch für die Angst, etwas zu verpassen.
Die Menschenschlangen vor dem österreichischen Pavillon allerdings, dem eigentlichen Standort von Holzingers «Seaworld Venice» dürften tatsächlich zu den längsten der Biennale-Geschichte gehören: Zweieinhalb Stunden für jene, die nicht zu den happy Few gehören, die durch den Hintereingang eingelassen werden. Doch das Warten lohnt sich: Der Pavillon ist nicht nur ein großer Spaß, selbstbewusst, heiter, ein bisschen too much und ein Jahrmarkt der Sensationen. Er ist vor allem eine sehr klar strukturierte, gut gemachte Übersetzung Holzingers extrem gehypter Bühnenarbeiten in die Sprache der Bildenden Kunst.
Unter der von der ...
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Theater heute Juli 2026
Rubrik: Festival, Seite 30
von Florian Malzacher
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