Im Schutz des Ballrooms
Nach Dinçer Gücyeters «Unser Deutschlandmärchen» am Gorki und «Archiv der Sehnsüchte» nach Deniz Utlu am Schauspiel Hannover ist Necati Öziris «Vatermal» bereits die dritte Romanadaption, die Regisseur Hakan Savas Mican innerhalb weniger Monate auf die Bühne bringt. Alle Inszenierungen erzählen aus der Perspektive von Söhnen der ersten Generation türkischer Einwanderer:innen und dem oft komplizierten Verhältnis zu ihren Eltern, und stets spielt live performte Bühnenmusik eine prominente Rolle. In «Vatermal» ist sie geradezu offensiv als Verfremdungsinstrument eingesetzt.
Der Abend beginnt mit einem Livefilm, der den erzählerischen Rahmen absteckt: Literaturstudent Arda geht mit zwei Komilitoninnen ins Theater, ihm wird schlecht, er muss sich übergeben und landet im zum Krankenhaus umfunktionierten Gorki-Keller. Dort erfährt er, dass er an einer genetischen Leberkrankheit leidet und sein Leben am seidenen Faden hängt. Doch statt in ein Nachthemd schlüpft Arda in einen Smoking und gelt sich das Haar zurück; als er kurz darauf tatsächlich die Bühne betritt, umfängt ihn das mondäne Flair eines Ballrooms. Hinten teilt sich der Raum in zwei aufsteigende Treppen, auf denen Kristina ...
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Theater heute Februar 2025
Rubrik: Chronik, Seite 54
von Eva Behrendt
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