Im Schutz des Ballrooms

Necati Öziri «Vatermal» (U) am Maxim Gorki Theater Berlin

Theater heute - Logo

Nach Dinçer Gücyeters «Unser Deutschlandmärchen» am Gorki und «Archiv der Sehnsüchte» nach Deniz Utlu am Schauspiel Hannover ist Necati Öziris «Vatermal» bereits die dritte Romanadaption, die Regisseur Hakan Savas Mican innerhalb weniger Monate auf die Bühne bringt. Alle Inszenierungen erzählen aus der Perspektive von Söhnen der ersten Generation türkischer Einwanderer:innen und dem oft komplizierten Verhältnis zu ihren Eltern, und stets spielt live performte Bühnenmusik eine prominente Rolle. In «Vatermal» ist sie geradezu offensiv als Verfremdungsinstrument eingesetzt.

Der Abend beginnt mit einem Livefilm, der den erzählerischen Rahmen absteckt: Literaturstudent Arda geht mit zwei Komilitoninnen ins Theater, ihm wird schlecht, er muss sich übergeben und landet im zum Krankenhaus umfunktionierten Gorki-Keller. Dort erfährt er, dass er an einer genetischen Leberkrankheit leidet und sein Leben am seidenen Faden hängt. Doch statt in ein Nachthemd schlüpft Arda in einen Smoking und gelt sich das Haar zurück; als er kurz darauf tatsächlich die Bühne betritt, umfängt ihn das mondäne Flair eines Ballrooms. Hinten teilt sich der Raum in zwei aufsteigende Treppen, auf denen Kristina ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Februar 2025
Rubrik: Chronik, Seite 54
von Eva Behrendt

Weitere Beiträge
Hallelujah!

Beseelt lächelnd lässt er sich die Schlinge um den Hals legen: Dietrich Bonhoeffer, der Erlöser. Dann wird es schwarz. Die Zahl der von den Nazis ermordeten Juden wird aufgerufen, dann kommen Aufrufe zum Widerstand gegen Antisemitismus, der 2023 mehr Applaus fand als je zuvor seit Beginn der Zählungen 1979: «As Dietrich said: Silence in the face of evil is itself...

Danke für nichts

Es muss sich anfühlen wie eine ganze Reihe von Nackenschlägen, die Ca -rena Schlewitt im Herbst einstecken musste. Der Intendantin von HELLE-RAU – Europäisches Zentrum der Künste Dresden, mit dem wunderbaren Festspielhaus am Rande Dresdens, einer der Leuchttürme der Freien Szene in Sachsen, ja, in Ostdeutschland, geht im nächsten Jahr möglicherweise das Geld aus....

Männer vor Flusslandschaft

New York, 1975. Die verlassenen, verfallenden Docks am Ufer des Hudson River sind schwule Cruisingzone und üben auch auf Künstlerinnen und Künstler starke Anziehungskraft aus. Mazlum Nergiz hat die Gegend zum Schauplatz seines neuen Stücks «Am Fluss» gemacht. Die urbane Flusslandschaft macht es möglich, verschiedene Themen und Zeiten zusammenzubringen. Zitat: «Wenn...