Hummer und Anti-Dornröschen

nach Yorgos Lanthimas «The Lobster»; nach Ottessa Moshfegh «Mein Jahr der Ruhe und Entspannung» im Volkstheater München

Theater heute - Logo

Neue Stoffe für die Bühne, mal was anderes als die Klassiker, bei denen sich da über die Jahrzehnte und -hunderte zu viel weltbildlicher Staub auf dem Kanon-Rücken angesammelt hat. Na, dann macht mal, muss sich Volkstheater-Intendant Christian Stückl gedacht haben, lässt er die Spielzeit doch von zwei Regisseurinnen mit frischen Stoffen eröffnen: Yorgos Lanthimos’ Film «The Lobster» und Ottessa Moshfeghs Roman «Mein Jahr der Ruhe und Entspannung». Das klingt nach Zeitgeist, Unterhaltung, und ob das Ganze darüber hinaus noch etwas zu bieten hat – wird sich zeigen.

Es eröffnet Lucia Bihler mit «The Lobster». Eine smarte Wahl, schließlich ist Lanthimos der letzte Mythologe des Kinos und damit wie gemacht fürs Theater. Seine Filme handeln von Opfern, Schöpfung, Randzonen des Sozialen – am Ende also immer von Beziehungen. Am deutlichsten in «The Lobster». Der Film erzählt von einem «Dating-Hotel», darin sich Singles nach übereinstimmenden spezifischen Eigenschaften – wie etwa Nasenbluten – paaren, wobei als Motivationshilfe folgende Spielregel gilt: Sollte diese Paarung nicht binnen weniger Tage glücken, wird man in ein Tier seiner Wahl verwandelt. David, der Held des Stückes, wählt ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute November 2024
Rubrik: Chronik, Seite 59
von Maximilian Sippenauer

Weitere Beiträge
Gebeutelte Kleinbürger und Diven

Gegensätzlicher könnten die Saisoneröffnungen an den beiden großen Hauptstadtbühnen in diesem Herbst kaum ausfallen: «Stille» ist das erste Wort von Anja Schneider, als sie im «Schiff der Träume» am Deutschen Theater anhebt, vom Untergang der k.u.k-Epoche zu erzählen – vom Schiffbruch einer Opernund Arien-Hochglanzkultur, die sich aus aristokratischem Habitus und...

«Ein bisschen die Heimat unterstützen»

Steht man vor dem Friedensgrenze e.V., fühlt man sich sofort in die Zeit vor 1989 versetzt. Das ehemalige Kulturhaus und Kino in Guben, direkt an der Oder, trägt stolz seine Patina des Umbruchs. Im Inneren befindet sich noch die alte Kinokasse, im Foyer verkauft der örtliche Trägerverein, der sich seit einigen Jahren um das Gebäude und seine kulturelle Bespielung...

Grundrechenart Addition

Wer sich noch an die Nuller Jahre erinnert, als Deutschland ökonomisch als «kranker Mann Europas» galt, eine Rezessionsrunde die nächste einläutete, worauf der SPD-Kanzler Schröder die «Agenda 2010» und «Hartz IV» erfand, für 20 Jahre die sozialpolitische Glaubwürdigkeit der Sozialdemokratie verspielte und der Neoliberalismus ein gutes Jahrzehnt lang seine kalte...