Gepflegte Widersprüche
Er muss schon ein rechter Kotzbrocken gewesen sein, dieser Märchenonkel. «Der arme Andersen war lästig, die schlimmste Last aber blieb er sich selbst», schreibt der Literaturkritiker Michael Maar in seinem Buch «Leoparden im Tempel» über den Dichter Hans Christian Andersen. Und weiter: «Durch heillosen Egozentrismus fiel er noch den geduldigsten Gastgebern zur Last (…) Andersen litt unter Depressionen und Wahnvorstellungen.
» Tics und fixe Ideen soll der Mann gehabt haben, dem wir unsterbliche Märchen verdanken wie «Däumelinchen», «Des Kaisers neue Kleider», «Die kleine Meerjungfrau» oder «Die Prinzessin auf der Erbse» – aber die hatte ja auch seltsame und ihre Umwelt auf die Palme bringende Zwänge.
Im schwarzen Mantel mit mächtigem Stehkragen, die kurzen Haare ein wenig in die Stirn gekämmt, steht die famose Schauspielerin Julia Bartolome im Nürnberger Staatstheater da und denkt sich langsam in dieses scheinbar ziemlich verkorkste Leben hinein. Sie tastet sich vor, spielt einmal Andersen selbst, dann wieder scheint sie neben sich zu kauern und beobachtet eine Figur, die ihr nicht ganz geheuer ist. Die Regisseurin Cosmea Spelleken hat ihr einen Text geschrieben, der die Biografie ...
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Theater heute August/September 2024
Rubrik: Chronik, Seite 59
von Bernd Noack
Alles an Thomas Manns «Zauberberg» scheint sich gegen die Bühne zu sträuben, ist doch das Ziel des viele hundert Seiten langen Romans die Übersetzung eines aus den Fugen geratenen Zeitgefühls in Prosa. Trotzdem oder gerade deshalb schafft es dieser Romanklassiker immer wieder auf deutschsprachige Bühnen – kompakt nacherzählt wie im vergangenen Jahr bei Bastian...
Schon gewusst, was Kainismus bedeutet? Und Abelismus? Nein, nicht Ableismus, Abelismus von Kain und Abel. Schlichter Brudermord nämlich, der Stärkere tötet den Schwächeren aus tierischem Über -lebensinstinkt. Das soll unter Adlerküken sogar die Regel sein, Darwinismus im Vogelhorst, behauptet jedenfalls Caren Jeß, die große Animaldramatikerin («Bookpink», «Die...
Im Theater gewesen und wieder was gelernt. Deutschland gönnt sich als Ausrichter der Fußballeuropameisterschaft also ein umfangreiches «Kunst- und Kulturprogramm zur UEFA Euro 2024». Weil es nicht kulturvoll genug ist, wenn Teams aus allen Ecken des Kontinents dem Ball hinterherjagen und sich Zuschauer an der gebotenen Artistik erfreuen? Warum eigentlich nicht?...
