Fühle das Netz
Kopfhörer aufsetzen, in den Bildschirm gucken und auf fleischfarbenen Kissen entspannen, die an Körperorgane oder auch Yoga-Unterlagen erinnern. Die Ausstattungsabteilung des Dortmunder Schauspiels hat sie für Rahel Spöhrer genäht, Mit-Gründerin des Münchner Freien Ensembles «The Agency» (Schwerpunkt: immersive Performance-Kunst) und eine der vier ersten Stipendiat*innen der Akademie für Digitalität und Theater.
Und dann fängt es, trotz der vielen Menschen im Raum, in einer Gehirnregion zu kribbeln an, in die man sonst nur vor dem Einschlafen gelangt: Die Influencerin auf dem Bildschirm flüstert, atmet, schnalzt. Sie lässt Knallzucker auf ihrer Zunge knistern, knackt eine Nuss, lässt eine Bürste durchs Haar rauschen: Unerträglich intim wirken die Geräusche, körperlich spürbar. Gänsehaut macht das, zugleich leicht aggressiv.
Rahel Spöhrer beschäftigt sich schon seit einiger Zeit mit virtuellen «Mixed Feelings on Demand». In ihren fünf Akademie-Monaten hat sie mit dem Internet-Phänomen «Autonomous Sensory Meridian Response», sprich: «ASMR» experimentiert, das seit einigen Jahren auf YouTube Millionenklickzahlen erreicht, nutzbar als sexuelle Stimulation, Meditationswellness oder ...
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Theater heute Juni 2020
Rubrik: Digitale Akademie, Seite 34
von Dorothea Marcus
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