Erkenntnis und Verzweiflung
Die Theaterkritik von damals zu finden, war genauso schwierig wie damals die Suche nach dem Theater, in dem ein neuer Theatertext inszeniert wurde, den der Regisseur des Abends auch geschrieben hatte. Es war im November 1991 und auch deshalb so außergewöhnlich, weil sich das Ganze im pfälzischen Frankenthal ereignete. Dass es da eine zwar kleine, aber wohl doch ziemlich experimentierfreudige Bühne gab, wussten die wenigsten.
Nach einer etwas langwierigen Suche saß ich aber tatsächlich im Theater Montage, das von drei Menschen geleitet wurde, die am Institut für angewandte Theaterwissenschaft in Gießen studiert hatten und nun in der BASF-Stadt Ludwigshafen gemeinsam in einer Wohnung lebten: Bärbel Maier, Peer Damminger – und René Pollesch, den ich damals vor der Vorstellung traf und der etwas anders wirkte, als ich erwartet hatte. Pollesch war eher zurückhaltend, fast schon scheu, aber auch sehr anwesend, wenn er davon sprach, dass er ein anderes Theater der Zeitgenossenschaft im Sinn hat, als man das damals kannte.
Was er meinen könnte, sah ich dann in «Die Aquaristin», einem Theaterabend, der stark an Beckett erinnerte. Pollesch schickte singuläre Menschenwesen ins Rennen, ...
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Theater heute April 2024
Rubrik: Nachruf René Pollesch, Seite 32
von Jürgen Berger
Bei uns warst du weltberühmt, da kannte dich noch kaum jemand. Auf dem Wilson-Gang im Gießener Institut für Angewandte Theaterwissenschaft bedauerten wir uns selbst als verlorene Generation. Früher (also neulich), da war alles besser: Wirth! Lehmann! Pollesch! (Dass diese selbsternannte Lost Generation ausgerechnet jene von She She Pop, Showcase, Gob Squad, Rimini...
Daten
Premieren im April · On Tour/Freie Szene · Festivals · Suchlauf TV und Streams · Showroom · Links zu allen deutschsprachigen Bühnen auf theaterheute.de
AACHEN, GRENZLANDTHEATER
24. Akhtar, The Who and the What
R. Alexander Ritter
ALTENBURG/GERA, THEATER
13. von Praunheim, Hitlers Ziege und die Hämorrhoiden des Königs
R. Damian Popp
AUGSBURG, SENSEMBLE THEATER
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Die Verschränkung von Kapitalismus und Pa -triarchat wird nirgendwo brutaler verhandelt als an weiblich gelesenen Körpern. Wenn die Form dieser Körper nicht der Norm entspricht, fällt das Urteil umso härter aus. In Laura Linnenbaums Bühnenadaption von Daniela Dröschers «Lügen über meine Mutter» ist es der mehrgewichtige Körper der Mutter, der als Zielscheibe der...
