Entsolidarisierungsqualen
Im Englischen beschreibt das schöne Wort «overstuffed» bemerkenswert unterschiedliche Zustände. Es kann sich ganz materiell etwa auf ein Regal beziehen, dessen Bretter unter der Last zu vieler Dinge durchhängen. Positiv gewendet mag aber auch ein besonders komfortabel gepolsterter Sessel so beschrieben werden, und auch ein Buch ist «overstuffed», wenn es zu viele Themen, Einfälle und Materialien auf zu engem Raum versammelt.
Die Wiederbegegnung mit Eugene O’Neills gerade auffallend viel gespieltem Klassiker «Eines langen Tages Reise in die Nacht» ruft beim Lesen ein Gefühl ebensolcher Überfülle hervor. Üppigst ausstaffiert ist das alles: die lang gewundenen Dialoge, die zahllosen Regieanweisungen, überall hineingewoben in die wörtliche Rede, die teils seitenlangen Szenenbeschreibungen, in denen selbst die Buchtitel aufgelistet werden, die im Wohnzimmer der erbarmungswürdigen Familie Tyrone die Regale füllen sollen. Kein Wunder, dass Regisseur:innen gerade viel Freude daran haben, den ganzen Kladderadatsch dieses sehr romanhaften Stücktexts erstmal abzuräumen. Bis hin zu Rieke Süßkows Radikaldiät jüngst in Nürnberg, bei der tatsächlich kein einziges Wort mehr gesprochen wurde (s. ...
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Theater heute Januar 2025
Rubrik: Aufführungen, Seite 6
von Janis El-Bira
Alles ganz normal. Sie brauche keine Sorge haben, beruhigt der Psychiater Doktor Prentice (Jörg Zirnstein) eine junge Bewerberin (Aleksandra Kienitz) für seine Sekretariatsstelle. Dass sie sich ausziehen müsse, diene allein der Prüfung ihrer Qualitäten, pardon, Qualifikationen. Und auch der Ausdruck Befummeln wäre für die Hand auf dem Schenkel eher...
Dass Liebe kälter als das Kapital ist, wusste schon Carlo Goldoni sehr genau. In seiner «Trilogie der Sommerfrische» geht es nur an der Oberfläche darum, wer mit wem auf Urlaub fährt oder wer in wen verliebt ist. In Wahrheit dreht sich alles ums Geld, wobei der Witz dieser Komödie – eigentlich tatsächlich eine Trilogie, die in der Praxis aber meist zum Dreiakter...
An diesem Unort war mal etwas los. Was auch immer. Jetzt stapeln sich dort kaputte Stühle. An den Seiten Vorratsregale, auf denen kuriose, aber auch ganz normale Instrumente liegen, ein E-Piano und ein E-Cello. In der Mitte ein alter elektrischer Generator, der offenbar zu einer Belüftungs -anlage gehört. Links ein großer Lautsprecher, auf dem ein Tablett voller...
