Eine Geisterbeschwörung
Im Januar stand sie wieder in Bochum auf der Bühne, als Hamlet in Johan Simons’ sieben Jahre alter Shakespeare-Inszenierung: Sandra Hüller ist allgegenwärtig, nicht nur auf deutschen Leinwänden.
Während sie in Cannes im internationalen Wettbewerb als Erika Mann in Pawel Pawlikowskis «Vaterland» gefeiert wurde, lief in deutschen Kinos der Hollywood-Blockbuster «Der Astronaut», wo sie an der Seite Ryan Goslings als ostdeutsche Wissenschaftlerin den spröden und umso menschlicheren irdischen Gegenpol zum Charmebolzen Gosling im Outer Space spielte.
Als Fake-Mann Rose mit dem entstellten Gesicht im gleichnamigen Historiendrama von Markus Schleinzer gewann sie bei der diesjährigen Berlinale den Silbernen Bären, eine von zahllosen Auszeichnungen für ihr nicht zuletzt 2024 durch eine Oscar-Nominierung (für «Anatomie eines Falls») gekröntes Minimal Acting mit größter Tiefenwirkung.
Texte werden zu Körper
Vielleicht ist diese Fähigkeit, sich selbst zurückzunehmen und trotzdem das Zentrum zu bleiben, das Erstaunlichste an Hüllers beispielloser Karriere. Diese seltene Begabung kommt auch ihrem Spiel in Regina Schillings hybridem Dokumentarfilm «Ingeborg Bachmann – Jemand, der einmal ich war» ...
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Theater heute Juli 2026
Rubrik: Magazin, Seite 72
von Barbara Burckhardt
Wer wankt am Ende stärker? Die fünf Zombies am Filmset, die endlich mal einen Film über sich aus eigener Perspektive drehen wollen – oder die neun Schauspielverweigerer mit ihren schultütenhaften Kasperlehüten, die zwischen drei Fotowänden hin- und hertaumeln? Die beiden Kollektive, die Toshiki Okada und Herbert Fritsch am Ballhof 1 und im Schauspiel Hannover...
Die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt naht, mit ihr die Möglichkeit der ersten Landesregierung mit AfD-Beteiligung, womöglich sogar eine Alleinregierung. In diesem Kontext erschien Mitte April eine gemeinsame Erklärung der Kulturstiftung Sachsen-Anhalt und weiterer Kulturinstitutionen aus dem Bundesland.
Es ist kein Wahlaufruf, einfach eine genaue Lektüre: der...
Wie queer kann ein See sein? Er hat vielleicht kein Geschlecht, aber auch er kann sich verändern. Und der See, an dem dieses Stück spielt, hat sich dramatisch verändert: Er ist gekippt, Fische gibt es darin keine mehr.
Die Freundinnen Mo (Katharina Rose) und Nadia (Marthe Lola Deutschmann) treffen sich trotzdem noch auf dem Steg, auf dem sie große Teile ihrer...
