Eine Einheit aus ständigen Brüchen
Robert Wilson lebte noch, als Richard Foreman Anfang letzten Jahres starb, aber für Helen Shaw war es der Tod Foremans, der das Ende einer Epoche markierte: «Für mich, und für viele andere, war ein ganzes Halbjahrhundert … einfach die Ära des Richard Foreman.» Ihr großer Nachruf erschien im «New Yorker», und mit New York war die Ära des Richard Foreman in erster Linie verbunden. Die Avantgarde, die Foreman verkörperte wie wenige andere, eine Idee des Theaters – und natürlich nicht nur des Theaters – als avantgardistische Kunstform, hatte ihren Ort in New York.
Dem New York der «Village Voice», deren 1956 von ihr gestifteten OBIE Award für Theater abseits des Broadway Foreman neun Mal erhielt, einem «Village-Voice»-New York, das sich als Zentrum der Avantgarden der Welt sah und das es, auch als Gegensatz zum Rest der Vereinigten Staaten, so schon lange nicht mehr gibt.
Anders als Robert Wilson, mit dem er seit den 1960ern gut bekannt war, hat Richard Foreman nie den Sprung in den Mainstream geschafft. Während Wilson mit seiner sehr viel leichter genießbaren, in Richtung Opulenz transformierbaren Ästhetik zur teuer bezahlten Marke wurde, zum Haushaltsnamen im Weltkunstbetrieb, blieb ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Januar 2026
Rubrik: Akteure, Seite 32
von Ekkehard Knörer
Pläne der Redaktion
Einen «Borderline-Zustand» attestiert Krzysztof Warlikowskis Warschauer Nowy Teatr mit seinem Festival der polnischen Gesellschaft – zerrissen zwischen Manie und Depression. Ein Report
Simon Werdelis war als Schauspieler schon zum Berliner Theatertreffen eingeladen und hat als Regisseur Caren Jeß mit zum Mülheimer Dramatikpreis verholfen – ein...
Autoren mit Migrationshintergrund schreiben oft über ihre Migrationserfahrungen, über Flucht oder die Schwierigkeit, sich in einem neuen Land, in einer fremden Sprache zurechtzufinden. In gewisser Weise sind sie auch Übersetzer, die zwischen verschiedenen Welten vermitteln. Für Mehdi Mo -radpour, 1979 als Sohn aserbaidschanischer Eltern in Teheran geboren und seit...
Das gelbe Taxi-Schild leuchtet im Halbdunkel des sechseckigen Bühnenraums. An den Wänden geben Straßenmarkierungen die Fahrtrichtung vor, in der Mitte sitzt das Publikum auf Drehstühlen, drum herum wird gespielt. Im Podium am Theater Ulm inszeniert Philipp Löhle mit «Taxi nach Drüben» die wahre Geschichte eines einfachen Mannes, der in die Mühle deutsch-deutscher...
