Diktaturendämmerung

Ewald Palmetshofer «Sankt Falstaff», Max Frisch «Biedermann und die Brandstifter» am Theater Bonn

Theater heute - Logo

1:18 ist die Menschlichkeitsquote, wenn man die Figuren der beiden Politparabeln zum Spielzeitauftakt am Theater Bonn zusammenrechnet, die da wären: «Sankt Falstaff» und «Biedermann und die Brandstifter». Okay, vielleicht 2:17, Clubbetreiberin Frau Flott ist auch ganz okay. Aber als wirklich menschlich, als ein fühlendes, denkendes Wesen, das weder Verstellung noch Hass nötig hat, steht John Falstaff ziemlich allein da.

Auf der anderen Seite: Biederleute, Brandstifter:innen, Kapitalist:innen, machtbesessene Herrschende und all jene, die Steigbügel halten, Speichel lecken, wegschauen, wo Unrecht geschieht, und mit Begeisterung nach unten treten. Nicht auf der Bühne zu sehen, gefühlt aber immer im Hintergrund dabei, und noch zu klären: Die Rolle der Bevölkerung.

«Wenn sich die allgemeine Faktenlage weiter so entwickelt / dann regiern bald Extremisten allerorts / befeuert von der Hitze des Planeten / der verbrennt.» So beschreibt besagte Frau Flott (Sophie Basse), was Phase ist, in Ewald Palmetshofers tragikomischem Spielzeit-Hit zur weltweiten Dikta -turenblüte. Konkret haben hier der «Quasi-König» Heinz (Wilhelm Eilers) und sein Clan in einem nicht näher spezifizierten ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Januar 2026
Rubrik: Chronik, Seite 57
von Cornelia Fiedler

Weitere Beiträge
Ost-West-Kreisverkehr

Das gelbe Taxi-Schild leuchtet im Halbdunkel des sechseckigen Bühnenraums. An den Wänden geben Straßenmarkierungen die Fahrtrichtung vor, in der Mitte sitzt das Publikum auf Drehstühlen, drum herum wird gespielt. Im Podium am Theater Ulm inszeniert Philipp Löhle mit «Taxi nach Drüben» die wahre Geschichte eines einfachen Mannes, der in die Mühle deutsch-deutscher...

Wenigstens Musik

Vergangene Saison, nach der Premiere von Milan Peschels fein gewobenem «Ich werde dich lieben», wurde bekannt, dass große Teile des Schweriner Ensembles ebenso wie Schauspieldirektorin Nina Steinhilber nicht verlängert würden. Es ging das (auch von Peschels Inszenierung befeuerte) Gerücht um, man wolle am Haus kommerzieller werden, stärker in Richtung Musical...

Gesamtkunstwerk in Bruchstücken

Es ist nicht immer der große Wow-Effekt, der am längsten in Erinnerung bleibt. Wobei auch der seinen Reiz haben kann: Wenn sich in «Ocean Cage» von Tianzhuo Chen zur Eröffnung des Münchner Spielart Festivals 2025 alles um Wind und Walfang dreht und nach einer Stunde im immersiven Sturmgebraus – zwischen historischen Dokumentaraufnahmen der in -digenen Jagd auf...