Die Zukunft ist vorbei
Das Paradies ist uns abhanden gekommen. Es gehört uns nicht (mehr). Folgen wir dem mythologischen Fußabdruck, ist die Menschheit – seit der Vertreibung Adams und Evas aufgrund entwickelten Bewusstseins – quasi pausenlos auf der Suche nach Unterwerfung, Beheimatung und Besitz. Sesshaftigkeit bildete die direkte Achse zum Wohneigentum, zur Inbesitznahme von Pflanzen, Tieren, Regionen, Ländern, Völkergruppen, ganzen Völkern, dem Planeten und letztlich dem Universum in toto.
Komplexer wird diese Inbesitznahme, dieser Anspruch, sich andere und anderes anzueignen – als Eigentum zu betrachten –, wenn es um Bereiche des Inneren, des Geistigen, des Gedanklichen und der individuellen Biologie des Körpers geht. «Mein Körper gehört mir» beschreibt auf fatale Weise die Enteignung, von der Frauen mit Abtreibungswunsch sich immer wieder bedroht sahen und sehen. Aber nicht nur der Körper, auch die Freiheit der individuellen Entscheidung, der subjektiven Notwendigkeit muss sich bis heute – und dafür gibt es unzählige Beispiele bis hin zum Kampf um das vollumfäng -liche Recht auf eine nichtbinäre Geschlechts -identität – gegenüber dem Anspruch politischer bzw. gesellschaftlicher Mehrheiten ...
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Theater heute Jahrbuch 2023
Rubrik: Neue Stücke, Seite 155
von Thomas Jonigk
Die Frage nach Verzicht in der Kunst, im Theater ist äußerst vielschichtig. Das Problem lässt sich hier nicht erschöpfend behandeln. Theater kann viele exzessive Facetten haben und sich dadurch der Gegenwart mit ihrem Fokus auf (neo -liberales) Effizienzdenken, soziale Verantwortung und ökologische Ethik widersetzen. Dass es gegen die Zeit steht, ist schon...
Jedes Kind kennt Ödipus. Der bekannteste Vatermörder, Mutterliebhaber und Rätsel -löser aller Zeiten wird seit jeher in den unterschiedlichsten Disziplinen mit einem Höchstmaß an interpretatorischer und künstlerischer Aufmerksamkeit bedacht. Doch nicht so seine Eltern Laios und Iokaste. Insbesondere der Vater Laios, der in der Tragödie «Ödipus Tyrannos» von...
Theater heute In den letzten Jahren ist das Stadttheater als Institution stark in die Kritik, auch die Selbstkritik geraten. Es gab Vorwürfe des Machtmissbrauchs, es gab viel Kritik an Arbeitsbedingungen, an hierarchischen Strukturen, am Intendant:innen-Leitungsmodell überhaupt, zuletzt auch an der Praxis der Nichtverlängerung von künstlerischen Verträgen. Darüber...
