Die Zukunft ist vorbei
Das Paradies ist uns abhanden gekommen. Es gehört uns nicht (mehr). Folgen wir dem mythologischen Fußabdruck, ist die Menschheit – seit der Vertreibung Adams und Evas aufgrund entwickelten Bewusstseins – quasi pausenlos auf der Suche nach Unterwerfung, Beheimatung und Besitz. Sesshaftigkeit bildete die direkte Achse zum Wohneigentum, zur Inbesitznahme von Pflanzen, Tieren, Regionen, Ländern, Völkergruppen, ganzen Völkern, dem Planeten und letztlich dem Universum in toto.
Komplexer wird diese Inbesitznahme, dieser Anspruch, sich andere und anderes anzueignen – als Eigentum zu betrachten –, wenn es um Bereiche des Inneren, des Geistigen, des Gedanklichen und der individuellen Biologie des Körpers geht. «Mein Körper gehört mir» beschreibt auf fatale Weise die Enteignung, von der Frauen mit Abtreibungswunsch sich immer wieder bedroht sahen und sehen. Aber nicht nur der Körper, auch die Freiheit der individuellen Entscheidung, der subjektiven Notwendigkeit muss sich bis heute – und dafür gibt es unzählige Beispiele bis hin zum Kampf um das vollumfäng -liche Recht auf eine nichtbinäre Geschlechts -identität – gegenüber dem Anspruch politischer bzw. gesellschaftlicher Mehrheiten ...
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Theater heute Jahrbuch 2023
Rubrik: Neue Stücke, Seite 155
von Thomas Jonigk
Die Frage nach Verzicht in der Kunst, im Theater ist äußerst vielschichtig. Das Problem lässt sich hier nicht erschöpfend behandeln. Theater kann viele exzessive Facetten haben und sich dadurch der Gegenwart mit ihrem Fokus auf (neo -liberales) Effizienzdenken, soziale Verantwortung und ökologische Ethik widersetzen. Dass es gegen die Zeit steht, ist schon...
Die gute Nachricht ist: Es wird wieder über Kritik diskutiert. Im letzten Jahr bei zahlreichen, oft prominent besetzten Veranstaltungen wie dem Kongress «Die Zukunft der Kritik», veranstaltet von Bundeskunsthalle Bonn und Akademie der Künste Berlin, heftiger und öffentlichkeitswirksamer noch angesichts der Hannoveraner «Causa Goecke». Diese Diskussionen sind auch...
Derzeit steht sie in Stuttgart in Shakespeares «Der Sturm» auf der Bühne: als Miranda, Tochter des Prospero, neben André Jung. Camille Dombrowsky, 26 Jahre alt, spielt Miranda als selbstbewusste, schlagfertige, emanzipierte junge Frau. Natürlich reißt sie dem heißbegehrten jungen Prinzen Ferdinand die Kleidung vom Leib – und nicht umgekehrt. Dombrowsky hat sich...
