Die Sprache des Regens
Es regnet. Eine Tochter kommt nach Hause. Das heißt, vielmehr kehrt sie zurück in das Haus ihrer Kindheit. Das Haus, das Karens Vater mit eigenen Händen aufgebaut hat. Das Haus, das sich wie eh und je inmitten eines dichten Waldes hoch über dem Tal gegen den Hang stemmt und in dem er noch immer wohnt. Es regnet bereits seit Tagen, und durch jeden Riss und jede Schwachstelle sickert das Wasser, bahnt sich seinen Weg. Feuchtigkeit ist in die Wände gekrochen, sodass sich die Tapete abzulösen beginnt.
Die Vergänglichkeit, die Karen seit ihrer Ankunft in diesem Haus in aller Deutlichkeit entgegentritt, macht nicht nur vor den von Menschenhand geschaffenen Strukturen keinen Halt, auch der Mensch selbst ist ihr unterworfen. Und so muss Karen feststellen, dass die Demenz ihren Vater Harald schon fest im Griff hat. Ein vergessener Topf, der auf dem Herd glüht. Plötzlich auftretendes aggressives Verhalten gegenüber den Mitmenschen. Orientierungslosigkeit sogar in seiner vertrauten Umgebung. Die Situation ist unhaltbar, so viel ist klar. Und dann ist da die immer drängendere Frage, ob der Hang halten wird.
In seinem neuen Stück «So langsam, so leise» nimmt der Autor Björn SC Deigner Abschied ...
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Theater heute Jahrbuch 2025
Rubrik: Neue Stücke, Seite 148
von Lukas Schmelmer
Wie sähe eine Welt aus, in der wir den multiplen Krisen durch allabendlichen kollektiven Rausch zu entkommen versuchen? Eine Welt, in der Alkohol, Drogen, Stroboskoplicht und Techno-Beats uns für ein paar Stunden vergessen lassen, was draußen lauert, wenn der Kater einsetzt. Diese Versuchsanordnung verhandelt Ferdinand Schmalz in seinem neuen Stück «bumm tschak...
Die Aufführung des folgenden Stücks dauert 74 Minuten.» Mit diesem Satz eröffnen die Schauspieler:innen das neue Stück von Raphaela Bardutzky, Hausautorin am Staatstheater Nürnberg ab der Spielzeit 25/26. Genau 74 Minuten dauert ein durchschnittlicher Notfalleinsatz im Rettungsdienst in Deutschland, Beethovens 9. Sinfonie, dirigiert von Wilhelm Furtwängler im Jahr...
Wie die gute Laune behalten innerhalb einer multiplen Krise? Vielleicht gar nicht. Der Aktivist und Künstler Christophe Meierhans meinte schon 2022, man müsse erstmal richtig im Tal unten ankommen und die Lage akzeptieren, um wieder starten zu können. In der Floating University hatte er damals in Anlehnung an Techniken der Stoiker eine Meditation entwickelt, bei...
